Musik in der Luft

ISERLOHN. Als ich mich am 17. Mai ins Parktheater Iserlohn begeben habe, erwartete mich ein Abend der ganz besonderen Art: Das MitSingDing. Ein Karaokeabend, der von Musiker Stefan Nussbaum moderiert wurde.

Bevor das Parktheater Iserlohn in die Sommerpause geht, stand das MitSingDing ein letztes Mal auf dem Programm. Wer oder was verbirgt sich genau dahinter? Hinter dem MitSingDing verbirgt sich Stefan Nussbaum, der mit seiner Gitarre den Abend begleitet und das Publikum einlädt, als sein „Spontan-Chor“ mitzusingen. Niemand muss sich um die Texte kümmern, denn diese werden groß auf der Wand projiziert – und damit zählt die Ausrede „Ich kann den Text nicht“ auch nicht mehr.

Unterhaltung und Spaß für Jedermann  

Kurz bevor das MitSingDing los geht und das Foyer des Parktheaters sich mit Singbegeisterten füllt, sticht mir ein Detail ins Auge. Niemand ist alleine dort, es sind hauptsächlich Gruppen und auch Paare unterwegs. Ich treffe auf die 56-jährige Birgit, die mit drei Freundinnen da ist. „Wir sind zum zweiten Mal hier. Es macht Spaß mit all den Menschen gemeinsam zu singen. Da sich das Programm jedes Mal ändert, wird es heute bestimmt wieder sehr unterhaltsam“, erzählt mir die Dame. Danach treffe ich auf ein weiteres Paar, welches mir anvertraut, dass es gerne singt und zum ersten Mal hier ist.  Beide sind sehr gespannt, was für Lieder gesungen werden, ich auch und freue mich auf den Abend.

Als sich der Saal ordentlich gefüllt hat, geht es auch schon los und Stefan Nussbaum kommt auf die Bühne. Das Publikum ist gut drauf und jubelt ihm fleißig zu. Viele Gäste halten ein Weinglas in der Hand, trinken ist die ganze Zeit über erlaubt – damit die Stimme von dem vielen Singen nicht weg geht und niemand vor lauter Singeifer dehydriert. Die lockere Atmosphäre und die gute Laune, die die Menschen versprühen, umhüllen den Raum. Auch Stefan Nussbaum strahlt gute Laune aus und das Publikum freut sich, endlich los singen zu dürfen. „Lasst uns frühlingshaft beginnen und meine erste Frage an euch ist: Habt ihr Kakteen auf eurem Balkon stehen?“, scherzt Stefan Nussbaum und das Publikum lacht.  „Mein kleiner grüner Kaktus steht draußen am Balkon, hollari, hollari, hollaro!“  – und mit diesem Lied wird der Abend eröffnet und es kann sich fast keiner ein Lachen verkneifen.

Für jeden Musikgeschmack ist etwas dabei 

Das Besondere am MitSingDing ist, dass das Programm immer ein anderes ist und somit jedes Mal andere Lieder gesungen werden. Auch diesmal lässt Stefan Nussbaum fast keine Musikwünsche offen. Außerdem gibt es auf jedem MitSingDing ein Medley zu einem bestimmten Thema. Das Thema diesmal ist: “neun Städte in neun Minuten“. Die Dame neben mir guckt mich an und sagt: „Das Medley macht besonders viel Spaß“. Ein Medley ist übrigens ein Musikstück, welches aus vielen verschiedenen Liedern zusammengesetzt ist. “Theo, wir fahrn nach Lodz“, singt der Spontan- Chor lauthals mit und das Medley beginnt.

Ein Mann ruft in die Menge: „Einhaaaaken!“, und lacht – wir haken uns alle ein und schwenken zu der Melodie.  Es ist erstaunlich, wie locker die Atmosphäre ist und wie viel Spaß alle haben. Es folgt ein Quiz, bei dem eine Song Zeile auf dem Bildschirm gezeigt wird und man den Song erraten muss.  „Der Gewinner kriegt zwei Freigetränke an der Bar –  oder besser gesagt die Gewinnerin, denn in der Regel ist es fast immer eine Gewinnerin “, sagt Stefan Nussbaum. Blitzschnell ruft eine Frau rein: „Leuchtturm von Nena! “, und gewinnt.

 „Ey da müsste Musik sein“ 

Neben aktuelleren Titeln, wie zum Beispiel „Musik sein“ von Wincent Weiß, stehen auch Klassiker, wie „Rote Lippen soll man küssen“ von Peter Kraus, auf dem Programm. Aber ganz egal welcher Song gesungen wird, das Publikum ist stets motiviert und singt mit. Viele stehen sogar auf und schwingen das Tanzbein.

Und obwohl an diesem Abend das Singen im Vordergrund steht, geht es hierbei um viel mehr. Es geht um ein Gemeinschaftsgefühlt und die Freude am Singen.  „Es geht in der Tat um viel mehr als nur ums Singen. Man kommt hier hin und kriegt einfach gute Laune, weil die Leute und Stefan Nussbaum einfach super drauf sind“, erzählt mir eine Frau, als sich der Abend dem Ende neigt. Außerdem treffe ich Birgit wieder, die hellauf begeistert ist: „Wir wurden nicht enttäuscht. Wir wussten schon, dass es ein toller Abend wird. Es hat wirklich Spaß gemacht!“.

Das nächste MitSingDing inklusive guter Laune und Spaß findet am 11. Oktober 2018 statt und auch da kann man sich auf einen lustigen Abend gefasst machen. Ich hätte nicht gedacht, dass es auch mir so viel Spaß machen würde mit fremden Menschen zu singen. Denn das hat es und es ist eine gute Alternative zu Standardunternehmung, wie zum Beispiel ins Kino gehen. Gemeinsames Singen macht definitiv glücklich!

veröffentlicht von: Maerkzettel, Anastasia Baranova, 1. Fachsemester (Journalismus und Unternehmenskommunikation B.A.)

 

 

Tintenherz – eine Geschichte, in der Figuren lebendig werden

ISERLOhN. Das Theaterstück Tintenherz im Parktheater Iserlohn entführte sowohl Kinder als auch Erwachsene in die Welt von Cornelia Funke, in der die Figuren einer erzählten Geschichte einfach so lebendig werden können.

Tintenherz ist ein sehr bekanntes Buch der Autorin Cornelia Funke, welches ebenfalls bereits verfilmt wurde. Das Junge Theater Bonn erzählte bei seinem Gastspiel im  Parktheater Iserlohn diese Geschichte jedoch auf seine ganz eigene Art.

Das „neue Kindertheater“

Vor der Aufführung von Tintenherz fand am Sonntag, 13. Mai, auch die Pressekonferenz zum neuen Kindertheater-Programm der nächsten Spielzeit im Parktheater Iserlohn statt. Dafür wurden zwei Kinder ausgewählt, Keysha und Nick, die die Ehre hatten, vor der eigentlichen Vorstellung im Rahmen einer kleinen Bühnenshow als Überraschung aus einer Kiste auf der Bühne zu springen und gemeinsam mit Theaterdirektor Johannes Josef Jostmann das Familienprogramm der neuen Saison vorzustellen. Auch wurde den Besuchern der Mini- und Maxiclub vorgestellt, der exklusiv die Abonnentenkinder zum diesjährigen Kinderfest ins Floriansdorf einlädt.

Die Geschichte von Tintenherz

Die Kulisse für das Theaterstück blieb fast die ganze Zeit gleich und war natürlich, passend zur Geschichte, ein Bücherstapel. Staubfinger, einer der Hauptcharaktere, nahm ebenfalls die Rolle des Erzählers ein. Das gesamte Stück wurde mit lediglich einer Kulisse und der herausragenden schauspielerischen Leistung von sieben Schauspielern – manche von ihnen verkörperten gleich zwei Rollen – aufgeführt.

Tintenherz erzählt die Geschichte von Maggie und ihrem Vater Mo, welcher Buchbinder ist. Sie reisen schon Maggies ganzes Leben um die Welt und scheinen vor irgendwem auf der Flucht zu sein, von dem Maggie nichts weiß. Dann treffen sie Staubfinger, eine komische Gestalt, die ihren Vater „Zauberzunge“ nennt. Ihr Vater scheint ihn aber zu kennen. Plötzlich sollen sie zu ihrer Tante Elinor reisen, eine leicht hysterische, büchervernarrte, ältere Dame. Dort tauchen jedoch einige Männer auf, die Maggies Vater und ein Buch, namens Tintenherz suchen und mitnehmen. Sie werden alle zu Capricorn, dem Antagonisten der Geschichte, gebracht.

Dort findet Maggie heraus, dass ihr Vater die Macht hat, Figuren und Dinge aus Büchern herauszulesen. Liest Maggies Vater eine Geschichte laut vor, dann kommen Dinge oder Personen aus dem Buch in die reale Welt. Capricorn, Staubfinger und Basta entstammen beispielsweise dem Buch Tintenherz, aus dem ihr Vater sie vor Jahren aus Versehen herausgelesen hat, dafür ging ihre Mutter jedoch in das Buch. Mit Staubfingers Hilfe können sie entkommen und machen sich auf die Suche nach dem Autor des Buches. Auf ihrer Reise stellt sich heraus, dass Mo nicht der einzige mit der Gabe der „Zauberzunge “ ist, Maggie hat diese Fähigkeit von ihrem Vater geerbt. Somit braucht Capricorn Mo nicht mehr und will nun Maggie dazu benutzen, den Schatten aus dem Buch zu lesen, doch mit Hilfe des Autors ändert Maggie das Ende der Geschichte.

„Es soll sie zum Nachdenken anregen“

„Tintenherz ist doch eher ein anspruchsvolleres Stück, jedoch haben sie es gut dargestellt“, sagte Farina. Sie besucht das Parktheater mit ihren Kindern regelmäßig, damit diese sehen das „auch mit reduzierten Mitteln, eine Geschichte gut erzählt werden kann“. „Sie sollen über das Stück nachdenken“, meint die Mutter. Ihre Lieblingsstelle im Stück war, als Maggies Mutter Reza, wiederaufgetaucht ist.
Auch den 9-jährigen Jungen Sven und Angelo hat das Stück sehr gut gefallen, sie mochten Mo und Capricorn am liebsten.

Seit 50 Jahren das erste Mal wieder im Theater

„Ich fand Capricorn am besten, er ist einfach der Boss“, sagte der 11-jährige Nick, welcher zu Beginn des Stücks mit Keysha (9) aus der Kiste springen und das neue Programm vorstellen durfte. Keysha gefiel es am besten, als Tante Elinor hingefallen ist. Beide würden auf jeden Fall nochmal ins Theater kommen, da es für sie ein unvergessliches Erlebnis war. Auch Susanne Baumann, welche mit den Kindern im Theater war, will nochmal wiederkommen. Ihr letzter Theaterbesuch davor wäre schon 50 Jahre her, diesmal solle es nicht so lange dauern.

Gänsehaut, sogar noch nach der Show

Doch nicht nur den Kindern hat die Aufführung gut gefallen, sondern auch der 18-jährigen Maxine und ihrer Begleitung, dem 17-jährigen Tristan. Maxine wollte Tintenherz gerne sehen, da sie bereits alle drei Bücher gelesen hatte und den Film kenne. Tristan kannte sich nicht wirklich mit der Geschichte aus, doch ihm gefiel es sehr gut. Er hatte sogar nach der Show noch Gänsehaut von der düsteren Stimme Capricorns.

Dem konnte sich auch Tara anschließen, eine 20-jährige Studentin aus Amerika, welche besonders die schauspielerische Leistung von Maggie lobte. „Die Art und Weise, wie sie die Beziehungen der einzelnen Charaktere unter einander dargestellt haben, hat es mir leicht gemacht, trotz meiner teilweise mangelnden Deutschkenntnisse, dem Stück zu folgen.“

Tintenherz, eine Geschichte für Alt und Jung, welche das Junge Theater Bonn im Parktheater Iserlohn auf seine ganz eigene reduzierte Art aufführte und die Zuschauer begeisterte.  Wie auf Seite 16 des ersten Bandes bereits erwähnt wird, „müssen manche Bücher gekostet werden“, andere wie Tintenherz „verschlingt man“ beim Lesen und beim Schauen des Theaters wird die Geschichte letzendlich „gekaut und gänzlich verdaut“.

veröffentlicht von: Maerkzettel, Jasemin Rafati Sajedi, 1. Fachsemester (Journalismus und Unternehmenskommunikation B.A.)

Billie Holiday: Die Frau mit mythischen Zügen

ISERLOHN. Erfolg. Absturz. Aufmerksamkeit. Gefängnis. Höhen. Tiefen. Drogen und ganz viel Musik. Das ist die musikalische Hommage an die Sängerin Billie Holiday von Torsten Fischer und Herbert Schäfer, die im Iserlohner Parktheater gastierte. Sie beleuchtet das kurze Leben der Jazz-Ikone (1915-1959).

„Sind heute Abend irgendwelche Nigger hier?“, ruft Schauspieler Nikolaus Okonkwo in die Menge. „Na? Ich weiß das, einer steht auf der Bühne, das bin ich!“, so beginnt Blue Moon im Parktheater Iserlohn. Sona MacDonald spielt die Jazz-Ikone Billie Holiday in dem Hommage-Stück an ebendiese Sängerin.

Nikolaus Okonkwo moderiert den Abend und schlüpft in multiple Rollen, die des Erzählers, die ihrer Liebhaber oder Misshandler. Er ruft weiter: „Ein Wort ist erst gefährlich, wenn es unterdrückt wird. Wenn jeder jeden Nigger nennt, hat das Wort irgendwann keine Bedeutung mehr.“ Von Anfang an ist klar, dieses Stück thematisiert Rassismus, denn damit hat Billie als Tochter eines Streuners und eines Hausmädchens ihr ganzes Leben lang zu kämpfen.

Doch zunächst wird ihre Brillanz als Sängerin gezeigt. Der Vorhang geht auf und zum Vorschein kommt die Bühne, die sich an diesem Abend in einen New Yorker Ballroom der 40er und 50er Jahre verwandelt. Billie, gehüllt in ein silbernes Glitzerkleid, musiziert mit ihrer Band bestehend aus Piano, Kontrabass, Schlagzeug, Klarinette und Saxophon. Sie spielen Jazz und Blues vom Feinsten. Schauspielerin Sona MacDonald singt die Songs von Billie Holiday und erweckt sie so auf ihre ganz eigene Art wieder zum Leben. Nikolaus Okonkwo beschreibt Billies unvergleichbaren Stil im Stück so: „Sie pumpt mit ihrem rechten Ellenbogen und tappt mit dem linken Fuß auf den Boden, als wolle sie etwas kaputt treten“. Und das tut sie und sieht dabei elegant aus, wie keine andere. Doch schnell wird dem Zuschauer auch die Schattenseite der schimmernden Welt der Ballrooms gezeigt. Billie trinkt viel Alkohol, raucht und zieht mal eben ein Tütchen Koks aus ihrem Schuh.

Hure, Junkie und Diva

Der Zuschauer sieht Billie in verschiedenen Kleidern und verschiedenen Verfassungen. Nikolaus Okonkwo als Erzähler beschreibt sie als eine Frau mit mythischen Zügen, deswegen passe Jazz so gut zu ihr, denn er sei eine Kunst des Ungenauen „da muss nicht alles schimmern“. Die Zuschauer im Parktheater erfahren, dass Billie mit zehn Jahren zum ersten Mal vergewaltigt wurde, dass sie als Zimmermädchen als Niggerin beschimpft wurde, daraufhin kündigte und dann Hure wurde: „Bordelle sind die einzigen Orte, wo Weiße und Schwarze sich fast gleich begegnen konnten“, erzählt sie, obwohl sie auch schon verhaftet, wurde, weil sie den Sex mit einem „fetten weißem Mann verweigerte“.

Die Schauspielerin singt Billies Lieder und erzählte ihre Liebesgeschichten, doch kreiert dabei ihre ganz eigene Billie Holiday. Sie probiert, die Künstlerin nicht zu kopieren. Ihre Stimme ist auch heiserer als die der Billie Holiday. Zudem interpretiert Sona MacDonald ihre Rolle sehr extrem, da hauptsächlich die Ausnahmesituationen der Sängerin gespielt werden. Doch gerade dieser extreme Ausdruck zeigt die Tragik: Billies hat im Alltag viel zu tun, denn sie steht auf und raucht Opium, gönnt sich einen Joint, spült Pillen mit Bier runter, setzt sich einen Schuss Heroin und gönnt sich dazu einen Scotch. Dennoch ist sie nie krank oder hat Probleme mit der Stimme. Doch dann folgt eine Anklage auf Drogenbesitz und Import. Billie gesteht ohne Anwalt und muss für ein Jahr und einen Tag ins Gefängnis gehen. Danach ist sie mittellos und hat Auftrittsverbot in allen New Yorker Clubs mit Alkoholausschank.

„Sie hat es geliebt zu leiden, weil sie nicht wusste, was Liebe ist.“

Irgendwann wird Billie von John Levy (Nikolaus Okonkwo) aufgegabelt, der ihr einen Job in seinem Club verschafft. Er kauft ihr Kleidung und eine voll eingerichtete Wohnung. Besorgt ihr ein Auto mit Chauffeur, jedoch kein Bargeld, denn das gehöre sich nicht für Frauen, findet er. John wird ihr Erster von drei Ehemännern. Doch auch ihre Männer, alle gespielt von Nikolaus Okonkwo, bringen ihr kein Glück. „Sie hat es geliebt zu leiden, weil sie nicht wusste, was Liebe ist“, sagt Okonko als Erzähler. Billie wird erneut heroinabhängig und lässt sich ins Krankenhaus einweisen. Dort wird ihr Blut mit Traubenzucker gereinigt, doch dann besorgt ihr eine Krankenschwester wieder Stoff. Ein Teufelskreis.

Doch das Stück Blue Moon, beleuchtet nicht nur Sucht, sondern auch zwei sehr unterschiedliche Seiten New Yorks. Billie stellt fest: „Im Harlem ist eine Nutte eine Nutte, ein Arschloch ein Arschloch und ein Schwuler und Schwuler. In Downtown eine Nutte eine Dame der Gesellschaft, ein Schwuler ein Playboy und Arschloch hatte eine schwere Beziehung hinter sich.“ Sie erzählt auch von ihren Demütigungen: „Ich darf keine Toiletten nutzen, weil ich schwarz bin, ich muss den Hintereingang nehmen, wenn ich in einem Club auftrete und im Hotel sagt man mir: ,Hier waren noch nie Schwarze´.“

Billie Holiday: Die Ausnahmekünstlerin

Billie Holiday selbst stirbt im Alter von 44 Jahren im Krankenhaus mit Geld an die Beine geklebt und umzingelt von Polizisten, die sie erneut wegen Drogen verhaften wollten. In ihren letzten Jahren musste man ihr von der Bühne helfen. Ihre Stimme versagte. Sie lallte und sprach mehr, als das sie sang. Schließlich vereinsamte sie.

Nach Billies Tod im Stück schreit Nikolaus Okonkwo: „Wo bleibt die Entschädigung für all den Dreck?“ und lässt die Zuschauer nachdenklich zurück. Nachdem der Vorhang gefallen ist, geht er aber nochmal auf und Sona MacDonald singt Holidays Song Blue Moon: So bleibt Billie Holiday auch nach ihrem Tod in Erinnerung, als die Ausnahmekünstlerin, die sie war. Dem Stück ist es gelungen, das zu zeigen und ebenso die tragischen, ungerechten Umstände ihre Zeit.

veröffentlicht von: Maerkzettel, Melina Seiler, 6. Fachsemester (Journalismus und Unternehmenskommunikation B.A.)

DELIA-Liebesromantage: Und der Gewinner ist …

Wie in jedem Jahr standen auch 2018 die DELIA-Liebesromantage in Iserlohn auf dem Programm. Unter dem Motto „Wir machen Liebe“ haben sie diesen Samstag ihren Höhepunkt gefunden – mit der Preisverleihung für den besten deutschsprachigen Liebesroman und Jugendliebesroman. Zehn Autoren haben sich bei über 200 eingereichten Büchern behaupten können und es auf die Shortlist geschafft – eine Liste mit den Romanen, die in die engere Auswahl gekommen sind.

Das Parktheater Iserlohn verwandelt sich an diesem Abend in einen Galaort, umgeben von guter Stimmung, festlicher Dekoration und feierlicher Musik. Um 18 Uhr beginnt der Sektempfang für die Finalisten und deren Begleitungen, unter ihnen befindet sich auch Robin Lyall. Die Autorin kommt aus der Nähe von Hannover und ist für den besten Jugendliebesroman nominiert.

Ihr Roman handelt von einem jungen Mädchen, welches auf einer Tierauffangstation in Afrika hilft. Ihr vierter Roman beruht auf Tatsachen, da Robin Lyall selber auf einer Tierauffangstation in Afrika gearbeitet hat. Die Eindrücke haben sie auf die Idee gebracht, über die Erfahrungen, die sie gesammelt hat, einen Roman zu schreiben. „Es wäre mein erster Preis und ich bin sehr aufgeregt und nervös. Meine Chancen zu gewinnen liegen bei 20 Prozent, da insgesamt fünf Autoren in der Kategorie nominiert sind“, lacht die Autorin. „Ich plane weitere Romane, es ist einiges in Arbeit und ich habe viele Ideen, über die ich natürlich noch nicht reden darf“, erzählt sie. Wenig später begrüßt Andrea Reichart, die Präsidentin von DELIA, ganz offiziell alle Finalisten zum Sektempfang. „Lernt euch kennen, genießt die Musik und das Buffett“, sagt Reichart und eröffnet den Abend.

Um 20 Uhr findet dann der Höhepunkt des Abends statt – die Preisverleihung. Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens begrüßt im Namen der Stadt Iserlohn alle Gäste und Finalisten. Er ist glücklich darüber, dass die Liebesromantage zum vierten Mal in Iserlohn stattfinden. „Dieser Abend ist eine Herzensangelegenheit“, sagt Ahrens. „Liebe ist das größte menschliche Gefühl und daraus entstehen die größten Romane und Geschichten.“ Daraufhin lobt er Andrea Reichart, übergibt ihr einen Blumenstrauß und die Bühne. Kurz danach beginnt auch Andrea Reichart ihre Moderation. Sie erzählt von der Entwicklung von DELIA und verkündet stolz, dass aus anfangs zwölf DELIA- Mitgliedern über 250 geworden sind. Sie sagt, dass Liebe eine große Vielfalt ist und mehr als nur die Beziehung zwischen Mann und Frau. „Liebe ist wunderbar, denn nicht nur man selbst ist glücklich, sondern macht auch andere glücklich.“ Außerdem erzählt sie, dass die Stunden, die sie mit einem guten Buch verbringt, ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens sind.

Des Weiteren lobt sie die Finalisten und lässt sie wissen, dass für die Shortlist nominiert worden zu sein, schon ein großer Erfolg ist – „Das alle macht euch zu Gewinnern.“ Kurz darauf fragt sie in das Publikum: „Wie viele Bücher lesen wir im Jahr? 10? 20?“  Das ist ganz schön wenig in Anbetracht dessen, dass die DELIA-Jury, welche die Gewinner aussucht, von Mai 2017 bis Valentinstag 2018 über 100 eingereichte Bücher lesen musste.

Doch wer hat nun den Preis für den besten Jugendroman des Vorjahres gewonnen? – Es ist Kira Gembri aus Wien mit ihrem Roman „Wovon du träumst’’. Als sie den Preis entgegennimmt ist sie sichtlich gerührt, sagt, dass sie sprachlos ist und damit nicht gerechnet hat. „Der Titel des Buchs passt zu dem, was gerade passiert“, sagt Gembri. Den Preis für den besten Liebesroman aus der zweiten Kategorie durfte Nora Elias entgegennehmen.

So endet ein bunter Abend mit vielen Emotionen, interessanten Persönlichkeiten und natürlich ganz viel Liebe.

veröffentlicht von: Maerkzettel, Anastasia Baranova, 1. Fachsemester (Journalismus und Unternehmenskommunikation B.A.)