Extra 3 Moderator besucht Iserlohn mit neuem Programm

ISERLOHN. Christian Ehring bekannt aus der Heute – Show und extra 3 Moderator, hat sein neues Bühnenprogramm „Keine weiteren Fragen“ im Parktheater gezeigt. In dem knapp zwei Stunden langen Programm wird nicht nur die Politik aufs Korn genommen.

Wie passen Slums und deutsche Abiturienten zusammen? Richtig, jeder Slum-Bewohner freut sich, wenn er einem deutschen Abiturienten bei der Selbstfindung helfen kann. Ehrings Sohn soll ein Jahr lang so einen Slum besuchen. „Wenn du dich nicht beeilst, sind die besten Slums schon weg“, so fasst Ehring die Konversation zwischen seinem Sohn und ihm zusammen. Mit diesem Einblick in das Privatleben beginnt die knapp zweistündige Show.

Zwischen Pubertät, Flüchtlingen und der CSU

Der Auszug des Sohnes dient als roter Faden des Programms – oder viel eher die dadurch freigewordene Wohnung. Ehrings Frau kommt auf die Idee, dort könnte ein Flüchtling einziehen. Dieses Erlebnis schildert er über zwei Stunden, wobei er immer wieder aktuelle Themen wie den Hambacher Forst geschickt einstreut. Damit der lokale Bezug nicht zu kurz kommt, hat Ehring sogar den Iserlohner Kreisanzeiger auf der Bühne liegen. Auch die AfD und die CSU kommen nicht zu kurz: Aus dem Zitat „Die Integration ist die Mutter aller Probleme“, wird kurzer Hand „Horst Seehofer ist die Mutter aller Migräne.“ Hier scheint sich das Publikum mit Ehring einig zu sein, ein lautes Lachen halt durch den Raum.

Das Landleben ist auch hart

Ehring bindet auch immer wieder Geschichten aus seinem Privatleben mit ein. So muss er seine Frau überzeugen, dass das Landleben nicht dem entspricht, was manche Magazine versprechen. Spätestens als der Sohn erfährt, dass er täglich von Güllegeruch umgeben sein wird, hat sich das Thema für die Familie ganz erledigt. Apropos Sohn: Das Zimmer ist immer noch frei. Im Kennenlern-Cafe der evangelischen Kirche treffen Ehring und seine Frau auf David. Dieser ist Flüchtling aus Eritrea. David war dort Journalist, was aufgrund der politischen Lage eigentlich ein Widerspruch in sich ist. Ehring würde ihn am liebsten sofort aufnehmen. Er nimmt ihm sogar die Angst vor einem der kompliziertesten Systeme, was Deutschland zu bieten hat, der Mülltrennung: „David, das mit der Mülltrennung kriegst du in drei bis vier Monaten hin.“

Die Absage und das Staubkorn

  • Die Fähigkeit vom Moderator in Themen überzuleiten, zeigt sich auch hier wieder. „Wenn wir nur ein bisschen die Perspektive verändern, leben wir alle in der Provinz“. Damit bezieht er sich auf unsere Galaxis, diese ist nur eine von vielen Weiteren im gesamten Universum. Im Vergleich dazu ist die Erde ein Staubkorn. „Wenn Menschen aus was für Gründen auch immer von der einen Seite des Staubkorns zur anderen Seite des Staubkorns fliehen, haben wir die Pflicht diese Leute aufzunehmen“. Nach dieser Ansprache ist die Stimmung im Publikum fast schon ein bisschen gedrückt. So wird wieder auf Davids Geschichte umgeschwenkt. Ehring bekommt eines Tages einen Anruf von ihm. David erklärt Ehring, dass er noch nicht bereit sei zusammenzuziehen. Ehring versteht das nicht, denn er und seine Frau haben doch schon „im Wahn“ alles vorbereitet, ein Praktikum, eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio ja sogar einen gemeinsamen Urlaub. Genau das meint David sei zu viel. Er hat gar keine Freiheiten mehr, fast schon wie in seinem Heimatland Eritrea. Ehrings Sohn kennt den „Wahn“ seines Vaters nur zu gut: „Ich durfte keinen 1000 Meter Sprint machen, weil ich noch nie so weit von Zuhause weg war.“ Auch das Publikum scheint das Problem mit zu viel Kontrolle zu kennen. Die Zitate von dem Sohn werden mit lauten Lachern und einem Klatschen quittiert.

Nach den vielen Themen

Das Programm hat keine Zugabe, was es aber auch gar nicht braucht. In den knapp zwei Stunden wird über Politik bis hin zum Elternsein eine Menge an Themen satirisch ernst aber nie streng behandelt. Ehring hat ein gutes Gespür dafür, wann ein Thema zu ernst wird und wann er ein bisschen zurückrudern muss. Wer Ehring aus der Heute Show und Extra 3 mag, bekommt ihn hier in Bestform.

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„Undercover Dschihadistin“ schafft Aufklärung im Iserlohner Parktheater

ISERLOHN. Das Theaterstück „Undercover Dschihadistin“ hat am vergangenen Dienstagmorgen knapp 150 Schüler im Iserlohner Parktheater in ihren Bann gezogen. Das Gastspiel des Westfälischen Landestheaters in Castrop-Rauxel hat es sich zusammen mit dem Veranstalter der Landeszentrale für politische Bildung NRW zur Aufgabe gemacht, mit diesem Stück Aufklärung in Sachen Rekrutierung durch radikale Islamisten zu schaffen und unsere Demokratie zu bewahren – mit Erfolg.

Erzählt wurde die Geschichte der französischen Journalistin Anna Erelle. Diese lebt seit ihrem Undercover-Einsatz, in dem sie sich als fiktive Figur Mélodie, die angeblich zum Islam konvertiert ist, ausgab, unter falschen Namen mit neuer Identität und unter Polizeischutz. Erelle hat damals über das Internet intensiven Kontakt mit einem der gefährlichsten Männer der Welt gehabt. In ihrem Buch berichtet sie im Nachhinein unter dem Pseudonym Anna Erelle, wie Abu Bilel, ein ranghoher Offizier des sogenannten „Islamischen Staates“, sie in kürzester Zeit manipuliert hat. Seine Absicht dahinter war, die Junge Frau für den Krieg in Syrien anzuwerben. Mit ständigen Anrufen über Skype, einem Haufen von Komplimenten wie beispielsweise „Du bist eine Löwin, meine Frau. Du bist reizend und rein.“ und den Versprechungen von einem besseren Leben, lockte er das scheinbar unglückliche Mädchen zu sich. Diese musste sich einem ständigen Dauerdruck und einer ordentlichen Gehirnwäsche stellen.

Aufklärung schaffen ist enorm wichtig

„Seit geraumer Zeit ist die westeuropäische Gesellschaft mit einer wachsenden Zahl junger Menschen konfrontiert, die eine Offenheit für Radikalisierungen unterschiedlicher Art entwickeln“, so schreibt es das Landestheater NRW auf seiner Website. Umso wichtiger daher, durch unterschiedlichste Art Aufklärung zu schaffen. Die Schüler eines Berufskollegs, die die Vorstellung am Dienstagmorgen schauten, haben schon im Vorhinein einiges mit ihren Lehrern zu diesem Thema erarbeitet. Trotzdem wurde das Nachgespräch mit den Schauspielern und der Beauftragten der Landeszentrale für politische Bildung NRW, Carmen Teixeira, aufmerksam angenommen. Letztere erklärte auf Nachfrage, dass Ausreisen aus Deutschland zwar im Moment nicht mehr möglich seien, dass es allerdings trotzdem enorm wichtig sei, die Ohren und Augen offen zu halten und nicht wegzuschauen, wenn man etwas Auffälliges bemerkt. Denn im Grunde könne es jeden treffen.

Stück stiftet zum Nachdenken an

Patricia Benthien vom Iserlohner Parktheater hat das Stück bereits zum zweiten Mal gesehen und zog das Fazit: „Das Kinder- und Jugendtheaterstück „Undercover Dschihadistin“ sollte für alle Schüler ein Muss sein“. Das spiegeln auch die Eindrücke der Schüler des Berufskollegs wieder. Für sie war es eine „krasse Erkenntnis“, wie manipulativ Terroristen sind und wie diese den Islam missbrauchen, um etwas eigentlich ganz anderes zu transportieren. An dieser Stelle hakte sich Teixeira nochmals ein, um klarzustellen, dass Religion keinesfalls wie im Stück gezeigt wurde, missbraucht werden darf. Muslime seien in Deutschland ein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft, in der jeder die Möglichkeit haben müsse, sich frei entfalten zu können.

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