„Jahre später, gleiche Zeit“ – Komödie über die Liebe im Wandel der Zeit

ISERLOHN. Schauspieler Heiner Lauterbach und Dominique Lorenz sind zurzeit gemeinsam mit der Komödie „Jahre später, gleiche Zeit“ auf Theater-Tournee und machten vergangenen Freitag Halt im Iserlohner Parktheater. Die Produktion der Komödie im Bayerischen Hof von Bernard Slade bringt das Publikum mit scharfsinnigen Dialogen und subtilen Witzen über die Liebe und den Alltag im Alter zum Lachen.

Wenn Heiner Lauterbach als George und Dominique Lorenz als Doris die Bühne betreten, verwandelt sich die Kulisse in ein Hotelzimmer in Kalifornien.  Genau in diesem Zimmer haben sich die beiden vor 25 Jahren das erste Mal getroffen und sich Hals über Kopf ineinander verliebt. Seit dem Tag an lautet ihr Versprechen: Nächstes Jahr, gleiche Zeit. Dazwischen herrscht Funkstille – keine Anrufe, Briefe oder gar Ansprüche. Der Haken an der Geschichte: Beide sind verheiratet und haben Kinder.

„Wieder mal Du. Wie jedes Jahr. Bezaubernd, beglückend, Du bist wunderbar. Wieder mal weißt Du, dass ich dich will. Und voller Freude warte ich, still. Doris, Liebste, eins ist doch klar, wir machen gemeinsam das Weekend zum Jahr.”, singt George glücklich.

Lebenslange Liebesaffäre

Das Stück wird in sechs Szenen verpackt. Jedes Mal wenn der Vorhang erneut aufgeht, werden die Zuschauer Zeugen der Verabredungen von Doris und George in den Jahren 1976, ’80, ’81, ’86, ’92 und ’93. Bei jedem Treffen sind die Karten neu gemischt und beide haben von vielen Veränderungen und Tragödien zu berichten. Sei es von dem Tod von Georges Frau, seiner kurzzeitigen Arbeitslosigkeit oder seiner neuen, jungen Geliebten, die ein Kind von ihm erwartet. Auch Doris‘ drogenabhängige Tochter und die Geliebte von ihrem Mann bereiten ihr schlaflose Nächte. Ruhe und Eintönigkeit gibt es jeweils in ihrem Leben nicht.

Kombination aus Ernst und Humor

„Er lächelt wenn er schläft, das hat er sonst nie gemacht“, berichtet Doris von ihrem Mann, nachdem sie von seiner Geliebten erfahren hat. Jedes Mal aufs Neue werden die teils auch ernsten Themen mit Witz aufgelockert. Der kanadische Bühnen- und Drehbuchautor Bernard Slade verleiht dem Stück stets eine Portion Humor und dadurch auch Leichtigkeit bei empfindlichen und schwierigen Themen. Bei den einzelnen Treffen der beiden, kann der Zuschauer ein Wandel der Gesprächsthemen beobachten: Der Sex ist anders, Hörgeräte werden benötigt, Krankheiten spielen leider eine größere Rolle und es werden sich von nun an Bilder von den Enkeln präsentiert und nicht mehr von ihren eigenen Kindern.

Die bedingungslose und tiefe Liebe zwischen George und Doris erlebt einen Wandel der Zeit. Sie sind nun mal nicht mehr Mitte 20 wie bei ihrem ersten Treffen. Die Angst vor dem Älterwerden steht im Fokus. Vorwürfe und Gedanken wie „Was wäre, wenn ich nicht so viel gearbeitet hätte“ plagen sie vermehrt. Lauterbach und Lorenz, die beide eine beachtliche Schauspiel-Karriere aufweisen, spielen ihre Rollen überzeugend und bringen die Zuschauer, selbst in wortlosen Szenen, nur durch Gestik und Mimik zum Lachen. Zahlreiche Wortspielerein, scharfsinnige Dialoge und viele Pointen – das Publikum bekommt jede Menge Anlässe zum Schmunzeln.

Eine Komödie mitten aus dem Leben

„Du hast unser Jubiläum vergessen, gib es zu“, beschimpft Doris George. „Ja gut, aber nur weil ich an Wichtigeres gedacht habe – unsere nächsten 25 Jahre.“ Gerade so bekommt George noch die Kurve. Die angesprochenen, alltäglichen Themen kommen den Zuschauern bekannt vor und lassen daher das Parktheater häufig auflachen. Dennoch fehlte teils Abwechslung in dem Stück. Dadurch, dass nur die beiden Hauptdarsteller auf der sich nicht verändernden Bühne zu sehen waren, musste mit den Dialogen, der Gestik und Mimik überzeugt werden, was in manchen Szenen langatmig erschien.

„Ich habe mir ein bisschen mehr von dem Stück versprochen. Es hätte etwas mehr kommen können, mehr Esprit und mehr Höhepunkte“, kritisiert Zuschauer Udo Vogt aus Hagen. Sabine Gehrken aus Münster hingegen war begeistert: „Das Stück war sehr beeindruckend. Das war mal was ganz anderes. Es war eine Komödie aber gleichzeitig auch ein Drama. Es kamen alltägliche und auch sehr ernste, tiefe Themen darin vor. Das hat mir sehr gut gefallen.“ Auch Karsten Vogt aus Münster hat seinen Besuch nicht
bereut: „Das war ein Stück, welches einen sehr berührt hat, weil älter werden wir alle irgendwann. Der Herr Lauterbach hat eine starke Präsenz auf der Bühne. Man hat ihm seine Rolle abgenommen, besonders auch das Altern. Er ist ein starker Schauspieler.“

Insgesamt stehen Heiner Lauterbach und Dominique Lorenz 47 Mal mit „Jahre später, gleiche Zeit“ in den verschiedensten deutschen Städten auf der Bühne. Bis zum 15. April führen sie das Stück noch 15 Mal auf.

VERÖFFENTLICHT VON: MAERKZETTEL, Julia Schuchardt, 6. Fachsemester (JOURNALISMUS UND UNTERNEHMENSKOMMUNIKATION B.A.)

Freundschaft, Liebe, Drogen und Straftaten

ISERLOHN. Nach dem SPIEGEL-Bestseller „Auerhaus“ von Bov Bjerg konnten vergangenen Mittwoch im Iserlohner Parktheater zahlreiche Zuschauer Frieder und seine Freunde als Protanisten des gleichnamigen Theaterstücks kennen lernen. Diese gründen gemeinsam Ende der 1980er Jahre eine Wohngemeinschaft in der westdeutschen Provinz. Während alle anderen Schüler mit dem kurz bevorstehenden Abitur beschäftigt sind, fixieren sich Frieders Freunde nur auf ihn. Denn Frieder hat versucht sich umzubringen.

Mittwoch, 18.30 Uhr. Das Parktheater in Iserlohn ist gut gefüllt, es wird gelacht, Sekt wird ausgeschenkt. Vor Beginn des Stückes genießen die Besucher die gute Stimmung und vertiefen sich in Gespräche. Dann nehmen die Gäste ihre Plätze ein und der große Theatersaal ist fast komplett gefüllt. Das Stück beginnt. Geleitet wird es von Herrn Höppner, einer der 6 Hauptcharaktere in „Auerhaus“. Dieser kommt zwischen den einzelnen Szenen nach vorne auf die Bühne, um den Zuschauern zu erzählen, was während den Zeitsprüngen in der WG alles passiert ist. Die Freunde Vera, Cäcilia, Herr Höppner und Frieder ziehen zusammen, da Frieder sich umbringen wollte und nun auf Rat des Psychiaters von Zuhause ausziehen möchte.

Am liebsten hören die Freunde auf voller Lautstärke den Hit „Our House“ von Madness. Da alle Nachbarn kein Englisch verstehen, denken sie es hieße „Auerhaus“. So taufen sie also das Haus, in dem sie gemeinsam leben. Nach kurzer Zeit nimmt die WG auch noch Harry, einen homosexuellen Kiffer, und Pauline auf, die gerne mit Feuer spielt (und das auch wortwörtlich). Sie alle wollen Frieder helfen und beschützen, doch sie verhalten sich stattdessen eher verantwortungslos. Die Gruppe klaut, nimmt Drogen und feiert und legt großen Wert auf Partys. Dass dies nicht immer reibungslos verläuft, ist ihnen jedoch nicht klar.

„Ich wollte mich nicht umbringen. Ich wollte bloß nicht mehr leben. Ich glaube, das ist ein Unterschied.“

Das sagt Frieder zu seinen Freunden, als sie über seinen Selbstmordversuch reden. Es ist für die Freundesgruppe etwas Besonderes zusammen zu leben. Sie beschreiben es als richtiges Leben. Wie Erwachsene halt. Auch wenn nicht immer alles gut geht, sind sie froh sich als Freunde zu haben. Mit ihrer enthusiastischen Art und viel Hingabe für das Stück haben die Schauspieler das Publikum begeistert. Zu keinem Zeitpunkt hatte der Zuschauer das Gefühl es wäre langweilig oder langatmig. Teilweise wurde eher fremdgeschämt, für die verrückten Aktionen der Freunde, die nicht immer hätten glimpflich ausgehen müssen. Doch auch das zeigt nur, wie fantastisch das Schauspiel einen mitgerissen hat.

Nach der letzten Szene ertönt tosender Applaus. Die Zuschauer sind begeistert und zugleich bewegt. Mit viel Gefühl und Witz wagt sich Kathi Loch an die Bühnenfassung von Bov Bjergs Bestseller mit schwierigen Themen – und überzeugt so die Gäste. Das unfassbar überraschende Ende des Stücks lässt einen durchaus geschockt zurück und regt zum Nachdenken an.

VERÖFFENTLICHT VON: MAERKZETTELNina Welz, 2. Fachsemester (JOURNALISMUS UND UNTERNEHMENSKOMMUNIKATION B.A.)