Portrait: Walter Egiziano – „Mich und Musik gibt’s nur im Doppelpack“

ISERLOHN. Wenn er mal nicht auf Tournee mit dem Musical „Massachusetts“ ist, arbeitet Walter Egiziano im heimischen Familienrestaurant in Italien. Er versucht, trotz seiner Leidenschaft, dem Musik machen, mit seinen beiden Brüdern bei den „Italian Bee Gees“, seine Wurzeln nicht hinten anstehen stehen zu lassen.

Walter Egiziano sieht gelassen aus, als er auf die Bühne des Iserlohner Parktheaters tritt, wo gerade ein Zwischenstopp der Tournee ist. Er geht geradewegs auf das Mikrofon zu. Links und rechts von ihm warten schon seine Brüder, Pasquale und Davide. Nach einer kurzen Unterhaltung geht die Musik an. Der Soundcheck beginnt. Lächelnd nimmt Walter das Mikrofon in die Hand und beginnt zu singen. Ausgelassen bewegt sich der 47-Jährige mit seinen Brüdern zum Takt der Musik. Zwei Stunden vor Showbeginn ist noch nichts von Nervosität zu spüren.

Er ist ein Profi. Walter Egiziano weiß genau, wie er eine gute Show hinlegen kann. Schon früh hat er angefangen, Musik zu machen. Singen und Gitarre spielen – das ist seit seiner Kindheit seine Leidenschaft. Ein großer Glücksfall ist es für ihn, dass er diese Leidenschaft mit seinen Brüdern teilt. Als ältestes Kind hat er seine Geschwister Pasquale, 42, und Davide, 44, damals mit dem Musik machen angesteckt. Pasquale spielt ebenfalls Gitarre und Davide hat das Klavierspielen für sich entdeckt. Gemeinsam sangen die Egiziano Brüder schon seit je her gerne.

The Italian Bee Gees

Eine Verbindung zu der bekannten Popgruppe Bee Gees hatte Walter schon früh. An den Wänden seines Kinderzimmers in Paola, Italien, hangen haufenweise Poster der drei Gibb-Brothers, den Leadsängern der Bee Gees, und ihre Songs liefen auf seinem Kassettenrekorder rauf und runter. „Die Musik der Bee Gees bedeutet mir echt viel. Mit ihren Stimmen berühren sie alle Menschen“, sagt Walter.

Im Jahr 2000 entschied sich Walter, zusammen mit Pasquale und Davide bei der italienischen Castingshow „Moments of Glory“ vorzusingen. Während der Produktion der Show hatte der Produzent die entscheidende Idee. „Er kam einmal zu uns und hat gesagt, dass wir perfekt zu einer Coverband der Bee Gees passen würden, vor allem weil wir, so wie sie, auch drei Brüder sind“ erklärt Walter. Die Bee Gees traten zu dem Zeitpunkt schon gar nicht mehr gemeinsam auf. Und so wurde aus den drei Egiziano Brüdern, die „Italian Bee Gees“.

Als „Italian Bee Gees“ feierten Walter, Pasquale und Davide große Erfolge. Zuerst waren sie nur bei Gastauftritten auf Festivals zu sehen, wodurch sie aber größere Bekanntheit erfuhren und schnell auch eigene Konzerte spielten.

Dass sie nun bei dem Bee Gees Musical „Massachusetts“ mitwirken dürfen, ist vor allem für Walter eine große Ehre. „Das Musical ist eine Botschaft der Bee Gees an die Welt und der Liebe für ihre Songs. Es macht einfach glücklich“, erklärt er. Die Europatour, die noch bis Ende Mai geht, bedeutet Walter vor allem aus einem Grund sehr viel: „Drei der ehemaligen Bee Gees begleiten uns und treten mit uns auf“. Dabei handelt es sich um Gitarrist Vince Melouney, Keyboarder Blue Weaver und Schlagzeuger Dennis Bryon.

Die Familie ist sein Ruhepol

Wenn Walter nach den 40 Tour-Auftritten wieder zu Hause in Italien ist, freut er sich auf eines ganz besonders: seine Familie. Die gibt ihm die nötige Ruhe und Kraft. „Als ich meine Frau kennenlernte, sagte ich ihr: ‚Mich gibt es nur zusammen mit der Musik’“. Gemeinsam mit seiner Frau Loredana hat er zwei Töchter. „Klar ist es auf der einen Seite nicht schön, so viel von zu Hause weg zu sein, aber meine Familie weiß, wie wichtig und ernst es mir mit der Musik ist“, erklärt weiter. Sie seien zu Hause alle sehr stolz auf ihn.

Stolz auf ihn war auch sein Vater. Er führte seit 1968 das Familienrestaurant, bis er vor einigen Jahren verstorben ist. Deshalb ist es Walter sehr wichtig, neben dem Musik machen, auch noch für und mit seiner Familie im Restaurant zu arbeiten. „Für uns alle hat das Restaurant eine große Bedeutung“, findet auch Walters Bruder Davide. „Essen verbindet“, führt Davide weiter aus und zwinkert Walter zu.

Die Unterstützung seiner Familie motiviert Walter Egiziano gerade bei seiner drei monatigen Europatournee sehr. Vor jedem Auftritt sucht er sich einen ruhigen Ort, um zu relaxen und sich zu konzentrieren. Trotz seiner langjährigen Bühnenerfahrung ist er kurz vor den Auftritten immer ein wenig nervös. Doch kurz bevor sich die Vorhänge auf der Bühne öffnen und er seine Brüder neben sich sieht, spürt er nur das Adrenalin und dann heißt es: Let the show begin!

VERÖFFENTLICHT VON: MAERKZETTEL, Janine Glormann, 2. Fachsemester (JOURNALISMUS UND UNTERNEHMENSKOMMUNIKATION B.A.)

Willkommen bei den Hartmanns – Theaterfassung reicht nicht an Kinofassung heran

ISERLOHN. Die einstige Kinosensation „Willkommen bei den Hartmanns“ ist vergangenen Samstag im Parktheater Iserlohn aufgeführt worden. Die Zuschauern bekamen eine Komödie zur deutschen Flüchtlingskrise zu sehen. Doch überzeugen konnte die einfach dargestellte Version des Films vor allem das junge Publikum nicht.

„Willkommen bei den Hartmanns“: Mit dem Theaterauftakt hätte das Tourneetheater Thespiskarren in die Fußstapfen des Kinofilms treten können. Doch statt den Zuschauern ein facettenreiches Stück zu bieten, setzten die Darsteller auf ein einfaches Bühnenbild und wenig Action, was vor allem für die jungen Zuschauer ziemlich langweilig war.

Zu Beginn des Theaterstücks wird zunächst Hauptdarsteller Diallo vorgestellt, ein Flüchtling aus Nigeria, der sich auf den Weg nach Deutschland macht. Dort angekommen wohnt er erstmal in einer Flüchtlingsunterkunft.

Haus der Hartmanns wird zur Flüchtlingsunterkunft

Zur selben Zeit spielt Angelika Hartmann, pensionierte Lehrerin, mit dem Gedanken, einen Flüchtling aufzunehmen. Als Angelika ihrem Mann Richard, Oberarzt in der späten Midlife-Crisis, und ihrem Sohn Philipp, ein in Scheidung lebender Workaholic, von ihrem Vorhaben, einen Flüchtling aufzunehmen erzählt, stößt dies auf Ablehnung. Nur Tochter Sophie, Dauerstudentin mit Männerproblemen, ist begeistert. Enkel Basti, Philipps versetzungsgefährdeter Teenager-Sohn, schlägt am Telefon das Flüchtlings-Casting „Deutschland sucht den Superflüchtling“ vor. Und schon finden sich Angelika und Richard im Flüchtlingsheim wieder. Den dritten Kandidaten, Asylbewerber Diallo, hat Angelika sofort gern.

Und so zieht Diallo, der auf eine baldige Aufenthaltsgenehmigung hofft, gleich am nächsten Tag in das schöne Haus der Hartmanns ein. Mit einem „Willkommen bei den Hartmanns“-Gruß wird Diallo herzlich empfangen. Trotz der Mentalitätsunterschiede lebt sich Diallo schnell ein. Er ist nämlich zum Beispiel der Meinung, dass Sophie mit ihren 31 Jahren schon längst Familie haben sollte und will sie mit Assistenzarzt Tarek Berger verkuppeln. Das Familienleben hat also eigentlich die perfekten Voraussetzungen harmonisch zu werden, wären da nicht die Spannungen zwischen den Eheleuten Hartmann, die durch das Eingreifen durchgeknallter Freunde noch größer werden, oder missverständliche Begegnungen mit der Polizei, die auch noch Diallos Asylantrag aufs Spiel setzen.

Einfaches Bühnenbild und wenig Spannung

Der vorerst vielversprechende Inhalt wurde in der Theateraufführung viel zu einfach umgesetzt. Das Bühnenbild bestand während des gesamten Stücks aus einem kleinen Haus, welches das Haus der Hartmanns darstellen sollte, einem Tisch, vier Stühlen und einem Gittergerüst. Dies verwirrte vor allem am Anfang, als Diallo aus Nigeria flüchtete und mehrmals um das Haus lief. Diese Verwirrung kam an mehreren Stellen auf, bei denen sich die Schauspieler szenisch an einem anderen Ort befanden und für die Zuschauer nur das Haus zu sehen war. Dass die Orte, an denen sich die Darsteller befanden, oft erst nicht eindeutig waren, führte dazu, dass keine wirkliche Spannung aufkam.

Die Schauspieler waren die ganze Zeit überzeugend in ihren Rollen. Zu Beginn des Stückes wurde jedoch nicht direkt klar, wer welche Rolle übernimmt, was mitunter auch daran lag, dass zwei Nebendarsteller jeweils mehrere Rollen übernahmen. Trotzdem lässt sich das Publikum, das überwiegend aus Besuchern fortgeschrittenen Alters bestand, schnell mitreißen. Sprüche wie „Es gibt auch immer ein paar Schwarze unter den Schafen“ von Richard an Diallo gerichtet, ließen das Publikum laut auflachen.

Der heiteren Stimmung im Saal nach zu urteilen, kam das Theaterstück, trotz der gelegentlichen Verwirrungen, bei den Besuchern insgesamt gut an. Zu empfehlen ist das Stück „Willkommen bei den Hartmanns“ dennoch eher für das ältere Publikum. Junge Leute sind stattdessen mit dem Film viel besser bedient, da sie das Theaterstück aufgrund der einfachen Bühnengestaltung als zu langweilig empfinden würden. Der Film ist im Gegensatz dazu durch die vielfältige Szenerie um einiges lebendiger und zieht die Zuschauer schneller ins Thema.

VERÖFFENTLICHT VON: MAERKZETTEL, Janine Glormann, 2. Fachsemester (JOURNALISMUS UND UNTERNEHMENSKOMMUNIKATION B.A.)