Hugo Egon Balder im Interview – ,,Man braucht Glück.“

ISERLOHN. Der Weg in die Medien ist schwer, aber nicht unmöglich. Was Glück damit zu tun hat, wie wichtig die Übung durch das Radio sein kann, wie die Medienwelt heute ist und was man durch seine Erfahrungen lernen kann, verrät Hugo Egon Balder im Interview mit MAERKZETTEL.

Das Parktheater Iserlohn hält für seine Besucher jedes Jahr und jede Saison ein spannendes Programm bereit. So ein Programm bedeutet auch spannende Menschen auf der Bühne. Am 19.11.2019, war das Theaterstück ,,Komplexe Väter“, von und mit René Heinersdorff, dort zu Gast. An der Seite des Autors, sah man Jochen Busse, Alexandra von Schwerin, Katarina Schmidt und Hugo Egon Balder. Das Parktheater hatte wieder einmal ein ausverkauftes Haus. Wie man es schafft auf zwei Bühnen, über so lange Zeit, so erfolgreich zu sein und ob es ein Rezept zum Erfolg gibt, hat uns Hugo Egon Balder verraten:

MAERKZETTEL: Wie haben Sie den Sprung auf die große Bühne und ins Fernsehen geschafft?

Hugo Egon Balder: Als ich 20 Jahre alt war, bin ich in West-Berlin auf die Schauspielschule gegangen. Eine sehr bekannte Schule, an der ich drei Jahre von Else Bongers unterrichtet wurde. Nach dieser Ausbildung bin ich direkt vom Schillertheater engagiert worden. Sieben Jahre Staatstheater später, habe ich gesagt, es reicht. Ich war immer eher der lustige Typ und habe mich weniger in ernsten Rollen gesehen. Beim Radio Luxemburg habe ich erstmals Radio gemacht und mit RTL Plus fing es dann mit dem Fernsehen an. Es gibt letztendlich keine Regeln, wie man vom Theater zum Fernsehen kommt, es passiert einfach oder es passiert eben nicht.

MAERKZETTEL: Welches der beiden Formate gefällt Ihnen denn besser bzw. womit fühlen Sie sich wohler?

Hugo Egon Balder: Das kann man nicht vergleichen, da es zwei völlig verschiedene Sachen sind. Das Theater hat erstens, den großen Vorteil, dass es sehr großen Spaß macht, jeden Abend auf der Bühne zu stehen und die Leute zu unterhalten und auch sofort eine Reaktion zu kriegen. Zweitens schult es natürlich auch im hohen Alter das Gehirn, weil man die Texte lernen muss. Fernsehen wiederum ist für mich einfach eine Sache, die lustig ist, die Spaß macht und die Geld einbringt.

MAERKZETTEL: Würden Sie denn sagen, die Medien haben sich verändert?

Hugo Egon Balder: Fernsehen ist anders geworden, es geht sehr viel darum, Geld zu verdienen. Was mir mittlerweile bei allem so fehlt, ist der Mut! Es wird weltweit produziert und die Formate werden einfach übernommen. Es gibt natürlich Ausnahmen, bei Pro Sieben zum Beispiel, war das damals Raab. Er hat das gemacht, was er wollte und jetzt sind es Joko und Klaas, die Narrenfreiheit haben. Ich will nicht sagen, dass früher alles besser war, es war nur anders.

MAERKZETTEL: Mit den vielen Erfahrungen, die Sie gemacht haben, was würden Sie jungen Studenten raten, die später auch einmal im Bereich der Medien arbeiten wollen?

Hugo Egon Balder: Sich automatisch einen Zweitberuf zu suchen…Spaß beiseite, was ich empfehlen würde, ist neben den ganzen theoretischen Sachen, die man im Studium macht, sich die Praxis anzueignen. Macht man das später beruflich, passieren einem auch Sachen, die man nicht lernen kann. Learning by doing finde ich da schon nicht so übel! Man könnte mal in eine Produktion gehen, in eine Redaktion oder in eine Development-Abteilung. Man sollte dieses ganze Geschäft mal von allen Seiten kennenlernen, dann hat man es vielleicht sogar leichter. Auf jeden Fall hat man einen besseren Überblick, versteht vielleicht Zusammenhänge, die man sonst nicht versteht. Radio zum Beispiel kann ich nur empfehlen, denn Radio ist das Allerbeste. Beim Radio muss man immer die Fantasie des Hörers anregen, der sieht einen ja nicht. Ich habe lange und gerne Radio gemacht, weil man sehr viel dabei lernt.

MAERKZETTEL: Würden Sie denn sagen, dass es ein Rezept zum Erfolg gibt?

Hugo Egon Balder: Nein, Rezepte gibt es nicht. Es gibt drei Voraussetzungen die man schaffen kann, wobei immer die Frage bleibt, ob man Erfolg hat oder nicht. Die erste ist: Man muss zumindest eine gewisse Form von Talent haben, sonst klappt es nicht. Punkt zwei ist, dass man an sich arbeiten muss. Das muss man, indem man in jungen Jahren viel lernt. Ich habe zum Beispiel bei Proben zugeschaut. Ich habe in der Zeit bei Radio Luxemburg, durch Elsner und andere, wahnsinnig viel gelernt. Und der dritte Punkt ist: Man braucht Glück. Denn wenn man kein Glück hat, nützt alles nichts.

MAERKZETTEL: Und wenn man das Glück hat, wie schafft man es dann über einen langen Zeitraum erfolgreich zu bleiben?

Hugo Egon Balder: Das frag ich mich auch…Das weiß ich auch nicht. Bei mir ist es glaube ich so, dass ich mich nicht verändere. Wenn ich Fernsehen mache, dann spiele ich zum Beispiel nicht jemanden der Fernsehen macht. Ich bin einfach so und Ehrlichkeit ist immer wichtig. Wir haben in unserem Theaterstück großen Spaß miteinander und auch privat verstehen wir uns. Es gibt keinen Krach, wir hatten noch nie Stress, wir haben auch im Stück einen großen Spaß. Und ich bin immer der Meinung, sowas überträgt sich auf das Publikum.

Komplexe Väter- Live im Iserlohner Parktheater

MAERKZETTEL: Wo sie gerade das Stück angesprochen haben, was begeistert sie am Theater am meisten?

Hugo Egon Balder: Was mich am Theater begeistert? Ach alles! Es macht Spaß! Die Leute kommen abends hin und wollen entspannen und man guckt dann in Gesichter und die freuen sich. Die hatten wirklich mal zwei Stunden Spaß und haben vielleicht auch einen Moment lang, vieles aus dem Alltag vergessen können. Das ist doch toll! Vor allem, weil ich ja auch keine ernsten Stücke mache, sondern Komödien.

MAERKZETTEL: Abschließend noch eine Frage: Gleich treten Sie ja im Parktheater auf. Worum geht es in dem Stück ,,Komplexe Väter“ Abend?

Hugo Egon Balder: Ich erzähle die Geschichte mal eben kurz und ohne, dass etwas vorweggenommen wird. Eine Frau hat eine langjährige Beziehung zu einem viel älteren Mann. Während einer zwischenzeitlichen Trennung, hat die Frau eine Tochter von einem anderen Mann bekommen. Ist aber noch während der Schwangerschaft zu ihrem Ex und jetzigem Partner zurückgegangen. Der eine ist der Ernährer und der andere der Erzeuger und diese Beiden hassen sich. Der eine ist spießig und der andere völlig durchgeknallt.
Und in dem Stück heute Abend, nimmt diese Frau die neue Beziehung ihrer Tochter zum Anlass und bringt alle zusammen, indem sie jedem etwas anderes erzählt.
Sie spinnt eine Geschichte, die vorne und hinten nicht stimmt.
Und dann kommt der Freund der Tochter und der ist leider auch viel älter.
Und jetzt geht es los und das ist die Geschichte.

VERÖFFENTLICHT VON: MAERKZETTEL, Assia Karnbach, 2. Fachsemester (JOURNALISMUS UND UNTERNEHMENSKOMMUNIKATION B.A.)

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