Free Vivaldi – Klassik im hier und jetzt

ISERLOHN. Atemberaubende Momente auf der Bühne des Parktheaters Iserlohn, begeisterten das Publikum. Klassik mit Hip-Hop, Breakdance oder Contemporary zu kombinieren klingt neu, spannend, aber auch riskant. Ein Risiko, das sich lohnte und in Standing Ovations von der ersten bis zur letzten Reihe, von Parkett bis Loge, endete. Momente, die so kurz waren und doch unvergessen bleiben werden.

Am 07. Dezember 2019, um 20:00 Uhr hieß es auf RTL gleich kommt das Supertalent. Im Parktheater Iserlohn allerdings, waren echte Supertalente live auf der Bühne. Ein Abend, der zeigte, wie emotional Tanz, Musik, Lyrik und Stille sein können.
Ein Konzept und eine Interpretation, die neu, frisch und kreativ zugleich waren. Virtuosität nicht nur auf der Violine, sondern auch in jedem einzelnen Schritt auf der Bühne.
Nichts war bedeutungslos, alle Elemente schienen voneinander abzuhängen. Geschichten die präzise, sowie individuell waren. Bedeutungsvoll und doch irgendwie frei. So auch der Titel ,,Free Vivaldi“, eine strenge Struktur der Klassik, befreit durch alles was uns umgibt. Die Vergangenheit ausgebrochen in das hier und jetzt.
Die Vier Jahreszeiten so interpretiert, wie der Wandel der Zeit sie gemacht hat. Das wurde nicht nur klar durch die Musik, auch die Gedichte zwischen den einzelnen Parts ließen Raum für jegliche Emotionen und waren teils sogar gesellschaftskritisch.
Welches Thema würde besser zu den Vier Jahreszeiten passen, als das Klima und der Klimawandel? Aber Jahreszeiten, sind nicht nur unabhängig voneinander oder nur unter dem Aspekt des Klimas zu betrachten, auch die Zwischenmenschlichkeit spielt eine Rolle. Manuel Druminski sagte, er und die anderen Künstler haben die Wichtigkeit dieser Thematik, dieses Wandels, verstanden, unteranderem auch durch die eigenen Kinder.

Virtuosität auf der Bühne

,,Free Vivaldi“ ist nicht in Worte zu fassen, die Leistung grenzte an Perfektion! Die Violine zu beherrschen ist bekanntlich schon ziemlich schwer und aufwendig, aber den Raum so ausfüllen zu können, mit so viel dynamischer Präzision und Korrektheit zu spielen und doch noch immer voller Emotionen, das ist ein Talent, welches seinesgleichen sucht!
Die Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi fehlerfrei hintereinander weg zu spielen, ist eine herausragende Leistung. Interpretiert man es dann auch noch um, durch beifügen neuer Rhythmen und Hintergrundarrangements und schafft es dennoch hörbar gänzlich fehlerfrei zu spielen, dann ist man virtuos. Es bleibt nichts anderes übrig, als vor so einer Leistung den Hut zu ziehen.
Ein paar Kleinigkeiten ließen sich vielleicht durch ein musikgeschultes Ohr erkennen, aber selbst da nicht hundertprozentig.
Eine Explosion an Kunst, Spannung und Abwechslung.

Aber Virtuosität war nicht nur im Violinenspiel erkennbar, auch der Tanz ließ einen die Aufführung mit großen Augen verfolgen. Synchronität ist bei einer Tanzgruppe immer ein wichtiger Punkt und dazu noch kein leichter. Aber bei der M A K Company stimmte nicht nur die Synchronität erstaunlich präzise, sie waren stets on point und genau auf dem Beat. Sie waren die Verbildlichung der Musik und das auf einem unglaublich hohen Level!

Maryam Anita Khosravi ist für die Choreografie zuständig gewesen und sie hat es geschafft, unzählige Tanzarten harmonisch zusammenwirken zu lassen. Es passte einfach alles zusammen und war doch grundlegend verschieden. Hip-Hop, Breakdance, Popping, Tricking, Contemporary und teils akrobatische Elemente, die die Zuschauer erstaunten und immer wieder applaudieren ließen. Das teilweise auch ohne musikalische Begleitung, es zeigte sich, Tanz kann nicht nur musikalisch untermalt verstanden werden, manchmal liegt die Essenz auch in der Stille.

Auch die Musik war eine bunte Mischung, Stile wie Hip Hop, Rock Pop, langsame Balladen und vieles mehr, fanden sich an der Seite der Klassik.
Es könnte der Verdacht entstehen, dass dadurch die Klassik und die Vier Jahreszeiten nicht mehr Mittelpunkt wären oder untergehen würden, aber genau das Gegenteil passierte. Die Vier Jahreszeiten, wurden dadurch ausgeschmückt, neu betrachtet und in allen bunten Farben dieser Welt gesehen. So wie die Vier Jahreszeiten, sich gerade in der heutigen Zeit erleben lassen.

Das Gesamtpaket besteht aus vielen Kleinigkeiten

Genauso bunt wie Musik und Tanz war die szenische Umsetzung auf der Bühne durch Licht und Nebel. Eine Welt wie im Film entstand.
So viel Perfektion wirft die Frage auf: war das wirklich echt? Und der Tontechniker bestätigte, alles live!
Um dem Ganzen ein bisschen mehr Raum und Fülle zu geben, wurden lediglich ein Pre-Recorded Orchestra, Delay und Hall benutzt. Für die Übertragung bis in die letzte Reihe, wurde ein Shure Beta 98 A Mikrophon benutzt. Es wurde sich also an allen Ecken bemüht dieses Meisterwerk zu kreieren. Neben der Livemusik gab es auch eingespielte Tracks, die der Geschichte wieder eine neue Facette gaben.

Tanz, Musik, Stimmigkeit auf allen Ebenen, Licht, Lyrik, Technik, Klassik modernisiert, es war so viel, kaum vorstellbar, dass alles harmonieren konnte, aber das tat es!
Der Raum war voll von begeisterten Besuchern, Jubel, Standing Ovations und sogar eine Zugabe blieb nicht aus. Beendet mit einer Konfettikanone und erneuten Standing Ovations.
So viel Emotion, wie es auf der Bühne gab, gab es auch im Publikum.
Das Publikum erlebte eine Reise durch die Jahrhunderte und doch war es auch zeitlos, vielleicht aber auch gerade deswegen.
Die vier Jahreszeiten waren nicht als einziges auf der Bühne zu erahnen, auch die einzelnen Naturelemente, das Wetter, die Achtsamkeit, die Menschlichkeit, die Beziehung, die Freundschaft und die Liebe, all das zusammen war da, offensichtlich oder versteckt. Keine Bewegung schien ohne eine eigene Geschichte zu kommen. Zwei Welten, die statt sich abzustoßen, eine Symbiose eingingen, die hoffentlich noch viele sehen werden und dürfen.
Die Show fing leise an und es war, als würde sie sich steigern, wie ein Crescendo in der Musik. Erst war die Show leise, aber dann wurde sie laut und dass nicht nur akustisch, sondern auch visuell.

Die Künstler waren nicht nur talentiert, sondern auch sympathisch

Nach der Show hatte das Publikum sogar noch das Glück, die Künstler persönlich treffen zu können, sie waren offen für Fotos und Gespräche, sehr bodenständig, freundlich und offen. Etwas das nach einem anstrengenden Programm nicht selbstverständlich ist!
Auch an Bescheidenheit fehlte es nicht, so sagte Manuel Druminski, dass sie klein anfingen und die Show sich stetig verändert und wächst und ihnen immer neue Sachen einfallen, wie sie es noch verbessern können. Dem Violinisten reicht auch nicht nur das Spielen, er wünscht sich in Zukunft noch mehr während des Spielens mittanzen zu können, als er es dieses Mal getan hat.
Es lohnt sich also auch, sich ein zweites Mal erstaunen zu lassen.

VERÖFFENTLICHT VON: MAERKZETTEL, Assia Karnbach, 2. Fachsemester (JOURNALISMUS UND UNTERNEHMENSKOMMUNIKATION B.A.)

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