Zwei Stunden Programm, viele Stunden Arbeit

ISERLOHN. Einmal hinter die Kulissen blicken. Einmal sehen, wie viel Arbeit wirklich hinter einer Bühnenaufführung steckt. Einmal nah dran sein und die Künstler und das Theaterteam live miterleben, wie sie das Publikum einen Abend lang aus dem Alltag befreien.

Am 16.01.2020 ist Nightwash zu Gast im Parktheater Iserlohn. Ab 20 Uhr beginnt die Aufführung, doch die Arbeit beginnt schon viel früher. Damit der Abend stattfinden kann, wird viel benötigt. Lange Zeit vorher schon wird der Termin geplant, dann wird abgesprochen, was alles auf der Bühne und Backstage gebraucht wird und dann kommt die Planung des Tages selbst. Vor der Aufführung muss die Technik abgestimmt und aufgebaut werden, dann kommt der Soundcheck und die individuelle Vorbereitung der Künstler und im Anschluss geht es auf die Bühne.

15:00 Uhr: Die Technik beginnt mit dem Aufbau

Der Parkplatz des Parktheaters ist fast noch ganz leer, die Türen zum Theater verschlossen. Ab 15 Uhr hat die Technik ihre Arbeit aufgenommen, jetzt ist es 15:30 Uhr und Jasmin Batrouni -die Bühnenmeisterin- öffnet mir die Seitentür. Ich folge ihr und bin schon ganz gespannt, was mich erwarten wird. Wir betreten gemeinsam den hinteren Teil der Bühne und betreten gleichzeitig den Arbeitsplatz für die Veranstaltungstechnik. Jasmin Batrouni erklärt mir, dass bereits alle ihre Aufgaben bekommen haben und dabei sind alles aufzubauen, Kabel zu verlegen und die Beleuchtung zu richten. Außerdem aus allen Perspektiven zu überprüfen, ob für das Publikum auch alles stimmig ist. Wird keiner in der ersten Reihe geblendet? Passt die Beleuchtungsfarbe zum Logo? Ist für das Publikum alles außer Sicht, was stören könnte? Es wird an so viel gedacht, auf das man selber nie gekommen wäre. Frau Batrouni arbeitet mittlerweile seit 13 Jahren im Parktheater und sagt, dass die Arbeit hinter der Bühne bei einem Gastspielhaus genauso vielfältig sei, wie das Programm selbst. Manchmal gibt es Produktionen, da ist der Auf- und Abbau so vielseitig, dass morgens bis teilweise nachts in Schichten gearbeitet wird. Heute bei Nightwash, wird nicht so viel benötigt, da das Programm hauptsächlich aus Sprechparts besteht und nur einer der Künstler sich selbst musikalisch begleitet. Da Nightwash schon häufiger im Parktheater zu Gast war, weiß das Team genau was ankommt und was dem Cast und dem Publikum gefällt. Jasmin Batrouni sagt, dass sie möchte, dass alles perfekt ist. Die Technik ist auch für das Vorderhaus zuständig und die ganze Crew sorgt dafür, dass bis zur Show, während der Show und nach der Show, für die Zufriedenheit des Publikums und der Gäste hinter der Bühne gesorgt ist. Immer wieder ist zu sehen, wie sich ein Mitarbeiter ins Publikum setzt und schaut, ob die Akustik und die Beleuchtung stimmen. Für das Nightwash-Logo wurden zwei Traversenkreise aufgehangen und der Beamer in Position gebracht. Jeder gibt sich Mühe und ist konzentriert, die eigenen Ansprüche sind hoch, das Equipment auf dem neusten Stand und Sicherheit wird großgeschrieben. ,,Das Haus muss spielbereit sein!“ erklärt Jasmin Batrouni.

17:00 Uhr: Nightwash trifft im Parktheater ein

Der Manager Lutz Kratzmann und der Künstler Mazi sind die ersten, die im Parktheater ankommen. Beide fröhlich und offen begrüßen sie uns und wir sind direkt per Du. Lutz Kratzmann ist begeistert von der Vorarbeit der Technik. Gerade die Idee mit den Traversenkreisen und dem integrierten Logo kommt sehr gut an.
Als nächstes kommt der Moderator und Künstler Sven Bensmann an und darf auch kurz darauf zum Soundcheck. Dann treffen auch Der Storb und Cüneyt Akan ein und die Akteure sind vollzählig. Ich folge dem Cast in die Garderobe. Zwei große Räume, in gelb gehalten und genauso aufgebaut, wie es sonst im Fernsehen zu sehen ist. Einer der beiden Räume ist mit allem ausgerüstet was man so an Nervennahrung vor, während und nach der Show braucht. Süßigkeiten, Kaltgetränke, Kaffee und stilles Wasser. Anbei auch ein Zettel mit verschiedenen Gerichten für die warme Mahlzeit vor der Show. Eine Sache ist davon direkt sehr begehrt, Kaffee. Wie in jedem normalen Büro, ist auch hier der erste Gang der zur Kaffeemaschine. ,,Die Shows werden meistens ein bis anderthalb Jahre vorher gebucht.“ erklärt Lutz Kratzmann. Ab dann beginne die Planung. In diesem Jahr würde Nightwash wahrscheinlich die 200 Show-Marke knacken, erklärt er weiter.
Ich lerne, dass es viele Dinge gibt, auf die man achten muss. Redner brauchen immer stilles und ungekühltes Wasser, das sei am besten und verhindere Aufstoßen. Zwischen dem Essen und dem Auftritt sollte auch eine gewisse Pause liegen. Seine Aufgabe sei es dafür zu sorgen, dass es den Künstlern an nichts fehlt. Als Manager muss Lutz Kratzmann das ganze drum herum organisieren. Läuft der Einlass, können die Künstler pünktlich anfangen? Sind die Mikros eingeschaltet? Funktioniert der Zeitablauf wie geplant? Ist alles bereit für die Autogrammstunde? Viele Details, die wie bei einem Puzzle das Bild komplett machen.

Die Künstler: zwischen Lampenfieber und Vorfreude

Jeder Künstler geht mit Lampenfieber unterschiedlich um. Auch an diesem Abend ist das deutlich spürbar. Aufgeregt sind alle, dem einen ist es mehr anzumerken, dem anderen weniger. Aber eines ist bei allen gleich: mit dem ersten Schritt auf die Bühne sind sie in ihrem Element.
Das bestätigt auch der Stand-Up-Comedian Mazi, auch er ist aufgeregt vor der Show, aber die Anspannung sei eher Vorfreude, dass müsse man aushalten können, denn auf der Bühne verpufft es dann. Um sich zu konzentrieren, notiert er sich vor der Show die Reihenfolge der Nummern, die er an diesem Abend spielen möchte. Lampenfieber bringt laut ihm Energie und macht wach, außerdem zeige es, dass einem der Auftritt nicht egal sei.
Sven Bensmann ist an diesem Abend für die Moderation zuständig und übernimmt damit die Verantwortung die Künstler anzukündigen und das verpackt in ein eigenes Programm. Er sei dabei vor allem für die Dynamik verantwortlich, sagt er. Gitarre, eigenes Programm und die Künstler gebührend ankündigen, klingt nach viel auf das es sich zu konzentrieren gilt. Am Anfang – so sagt er – war er sehr aufgeregt, aber mittlerweile habe sich das in angespannte Vorfreude gewandelt. Die Aufregung ist ihm von allen Künstlern am wenigsten anzumerken, vielleicht auch, weil er neben der Stand-Up-Comedy auch mit seiner Band ,,Hi! Spencer“ auf der Bühne steht.
Auch Cüneyt Akan ist aufgeregt, er bewältigt das Lampenfieber mit Atemübungen vor der Show. ,,Comedy ist mein Traum!“ sagt er und so zieht es ihn oft auch auf Open Stages. Er sagt er will dass die Leute mit ihm lachen und nicht über ihn und das macht ihn zu Beginn so nervös. Ich merke schnell, dass auch das eine Gemeinsamkeit der Künstler zu sein scheint. Jeder steckt unglaublich viel Herzblut in das eigene Projekt, anderen Menschen ein Lachen zu zaubern. Cüneyt Akan erklärt, dass er sehr spontan auf der Bühne sei und nichts auswendig lernt, da alles auf wahren Begebenheiten basieren würde.
Der Storb ist vor der Show sehr ruhig und wirkt konzentriert. Er bewältigt sein Lampenfieber durch Bewegung und läuft die Anspannung quasi auf dem Flur ab. ,,Andere zum Lachen zu bringen ist ein Privileg!“ sagt er und unterstreicht auch nochmal, wie dankbar er für diese Chance ist, andere zum Lachen bringen zu dürfen. ,,Ich bin von Natur aus gut drauf. Wenn du es spielen musst, ist es schon falsch.“ antwortet er auf die Frage, wie man es schafft andere auf Knopfdruck zum Lachen zu bringen.
Trotz jeder Aufregung, beantworten sie mir jede Frage und nehmen mich gleich in die Gruppe mit auf. Keinen Moment habe ich das Gefühl fehl am Platz zu sein.
Das was am meisten auffällt: jeder der Anwesenden liebt seinen Job und steckt unglaublich viel Energie und Liebe in die Arbeit. Dabei ist es egal, ob man die Techniker, die Mitarbeiter im Foyer, das Management oder die Künstler betrachtet.

20 Uhr: It´s showtime!

Hinter der Bühne steigt die Nervosität merklich an. Mazi schaut konzentriert auf seinen Notizblock, Sven Bensmann macht sich bereit aufzutreten, Der Storb ist in Gedanken versunken, wahrscheinlich geht er im Inneren noch einmal alles durch. Cüneyt Akan ist in Bewegung und wirkt sehr aufgedreht und voller Vorfreude.
Es wird trotzdem noch viel gelacht und der Ablauf wird noch einmal durchgegangen. Es laufen viele Gespräche nebenbei und leise ist die Fanfare zu hören, die den Zuschauern signalisiert, in fünf Minuten geht es los. Drei Mal ist die Fanfare zu hören und dann wird es Backstage ganz leise und die Stimmen des Publikums füllen den Saal. Es wird dunkel, das Bühnenlicht geht an, it´s Showtime! Musik ertönt und Lutz Kratzmann kündigt aus dem Off den Moderator Sven Bensmann an. Jede Aufregung von vorher ist jetzt spürbare Konzentration. Jeder der Künstler hat zwei Parts à 10 Minuten und dazwischen heizt Moderator Sven Bensmann die Stimmung ein.
Das Publikum ist gut drauf und alles läuft nach Plan.
Die Technik geht weiter hinter der Bühne ihrer Arbeit nach und sorgt dafür, dass im Vorderhaus und Backstage, sowie auf der Bühne alles zufriedenstellend ist. Auch Frau Korbeslühr vom Parktheater schaut nach dem rechten und ist als Ansprechpartnerin vor Ort.

Die ersten Auftritte sind gerockt, die Stimmung vor und hinter der Bühne gleichermaßen gut. Ich merke, dass der eigene Anspruch, Part eins und Part zwei gleichermaßen zu rocken, hoch ist. Jeder freut sich über den Erfolg des anderen und lacht bei den Gags mit. ,,Es ist ein gutes Zeichen, wenn meine Nummern länger dauern als geplant“, erklärt Mazi. ,,Dann kommen sie an.“.
Die erste Hälfte vergeht auch hinter der Bühne wie im Flug. Zeit für die Pause.
Eine richtige Pause gibt es Backstage aber nicht. Zwei Stunden Programm, aber viele Stunden mehr Arbeit!
Hinter der Bühne wird diskutiert und analysiert, wie es bis jetzt gelaufen ist. Die Massen müssen mit dem eigenen Programm gecatched werden, es ist aber nie klar, welches Publikum einen erwartet und ob ein Gag ankommt oder nicht. Bislang scheinen alle zufrieden zu sein.
Auch die zweite Hälfte läuft gut, allerdings wird das Publikum zum Ende hin etwas ruhiger.

22:15 Uhr: Von der Bühne zur Autogrammstunde

Der Saal leert sich und die Künstler flitzen schnurstracks zur Autogrammstunde. Auch ich stoße dazu und laufe dabei an Besuchern des Theaters vorbei. Die Stimmung ist gut, viele unterhalten sich über die Veranstaltung und darüber, dass es ihnen gefallen hat. ,,Danke, dass Du mich mitgenommen hast.“ höre ich beim Vorbeigehen jemanden sagen. Bei einer kleinen Gruppe unweit des Autogrammtisches bleibe ich stehen und frage genauer nach. ,,Es war sehr kurzweilig, es war gut!“, sagt eine Besucherin. ,,Der eine war besser als der andere.“, fügt eine andere hinzu. ,,Zum Ende hin hat es etwas nachgelassen.“, ist der einzige Kritikpunkt, der fällt. Es sei eben etwas für viele unterschiedliche Geschmäcker dabei gewesen, sind sich alle fünf einig. Ich bedanke mich für das Gespräch und ziehe weiter zum Autogrammtisch. Viele stehen an und machen sich neben Fotos auch bereit für Selfies. Im Vorbeigehen sehe ich, wie sich Instagram-Storys füllen, natürlich auch die der Künstler selbst, wie ich auch später noch auf Instagram sehe.
,,Ihr müsst noch ein Foto zusammen machen!“ verkündet Lutz Kratzmann und bietet an der Fotograf zu sein. Gesagt getan!

Das Foyer wird immer leerer und so langsam machen sich auch die Künstler bereit zurück in den Backstage-Bereich zu gehen und allmälig die Heimreise anzutreten.

Fast 23:00 Uhr, auch Backstage wird es immer ruhiger

Die Sachen werden gepackt, Der Storb raucht sich noch eine letzte Zigarette vor dem Heimweg und unterhält sich mit mir über seine Abläufe und darüber was er an seinem Job so liebt. Das Team von Jasmin Batrouni räumt alles zurück, damit für die nächste Show am Folgetag nur noch aufgebaut werden muss. Es ist spät, ein langer Tag liegt hinter allen Beteiligten, aber keiner ist genervt oder lässt sich Erschöpfung anmerken. Vielmehr ist es Zufriedenheit und Freude die ich in den Gesichtern sehe. Cüneyt Akan macht noch ein kleines Video für seinen Instagram-Channel und die anderen gehen noch kurz in die Garderobe. Ich verabschiede mich von allen und verlasse das Parktheater mit einem Lächeln. Auf dem Parkplatz angekommen, endet ein Tag voller Eindrücke und schöner Erinnerungen. Es war nur ein kurzer Moment, aber es steckte so viel dahinter und so viele Arbeiten, die wie ein Puzzle ineinandergreifen. Zwei Stunden Programm, viele Stunden Arbeit.

VERÖFFENTLICHT VON: MAERKZETTEL, Assia Karnbach, 2. Fachsemester (JOURNALISMUS UND UNTERNEHMENSKOMMUNIKATION B.A.)

Die Schöne und das Biest – Ein Blick hinter die Kulissen eines Staatsballetts

ISERLOHN. Acht Tage nach der modernen Tanzkomposition von „Ballett meets Pop“ ging es im Parktheater ganz klassisch mit einem rumänischen Staatsballett weiter. Das „Teatrul National De Opera Si Balet ‚Oleg Danovski‘ Constanta“ führte ebenfalls „Die Schöne und das Biest“ auf. Was für eine Arbeit steckt hinter solch einem Staatsballett?

Spitzenschuhe, Körperspannung und Disziplin. Bereits zwei Stunden vor Beginn der Vorstellung trifft das „Teatrul National De Opera Si Balet“ im Parktheater ein. Es geht los mit einem strengen Aufwärmprogramm. Die Muskeln müssen gedehnt sein um die tänzerischen Elemente ohne Verletzungen ausführen zu können. Vor allem die Spagate werden ausgiebig geübt: Das vordere Bein auf eine Erhöhung legen und das Becken runterdrücken, sodass man im Frauen- bzw. Überspagat sitzt. Nachdem sich sorgfältig aufgewärmt wurde, geht es mit der Probe einzelner Elemente weiter.

Die Probe vor dem großen Auftritt. „Unu, doi, trei“. Der Choreograph Horatiu Cherches zählt an. Die Tänzerinnen und Tänzer hören auf sein Kommando. Zunächst zeigt er, welche Übungen gemacht werden sollen. Danach sind die Tänzer dran. Anspannung macht sich breit und sie proben, bis alles sitzt. Klappt etwas nicht, wird es nochmal und nochmal geübt.

Aber nicht nur die tänzerischen Elemente müssen sitzen, sondern auch das Licht und die Musik. Darum kümmert sich die technische Leitung, Gelu Râpă. Mit seinem Funkgerät sitzt er während der Probe in der ersten Reihe und gibt dem Ton-Mann, Denis Mustafa, Bescheid, wann er die Musik anmachen und langsam ausblenden soll. Das Gleiche gilt für das Licht. Auch hier gibt Râpă dem Zuständigen, Theodor Petricilă, per Funk Bescheid, wann welche Beleuchtung benötigt wird. Während der Aufführung hält sich die technische Leitung hinter der Bühne auf und kümmert sich darum, dass Musik und Licht punktgenau an der passenden Stelle an und ausgeschaltet werden. Eine starke Koordinationsleistung, aber „man gewöhnt sich daran, da man sich durchgängig mit dem Stück befasst“, verrät Gelu Râpă.

„Wir üben fast jeden Tag“  

Um solch ein Stück auf die Bühne zu bringen braucht es viel Übung. „Wir fangen morgens um zehn Uhr an und beenden das Training gegen sechs oder sieben Uhr abends. Wir üben fast jeden Tag und am Wochenende haben wir die Aufführungen“, erzählt Monica Cherches, Künstlerische Leitung und Choreografie Assistentin ihres Mannes. Montags ist dann Ruhetag, bevor es wieder losgeht mit üben, üben, üben. Während des Trainings passieren häufig Unfälle. „Das sieht das Publikum nicht, das sehen nur wir. Das Publikum möchte sich eine gute Performance anschauen, das ist das Wichtigste“. Deshalb gibt es immer eine Zweit- oder sogar eine Drittbesetzung. Wer davon nun letztlich die Rolle tanzt, wechselt von Aufführung zu Aufführung, „damit niemandem langweilig wird“, verrät Cherches.

Nicht nur das Training ist für einen Tänzer entscheidend, sondern auch sein Lebensstil. Man muss darauf achten was man isst und wie viel man schläft. Vor einem Auftritt muss man ausgeruht und fit sein. Ist das überhaupt möglich, wenn man so viele Auftritte in unterschiedlichen Städten und Ländern hat? Seit dem 23. November tourt die Gruppe des „Teatrul National De Opera Si Balet“ bereits durch Deutschland und kehrt erst am letzten Tag des Jahres nach Rumänien zurück. Nach der Aufführung in Iserlohn geht es weiter nach Amberg. „Man gewöhnt sich an das viele Reisen. Das ist unser Job und es gefällt mir.

Tänzer sein ist ein sehr schöner Beruf“, so Monica Cherches, sie spricht aus Erfahrung, denn sie ist bereits seit 1982 im „Teatrul National De Opera Si Balet“ tätig – damals noch selbst als Tänzerin.

„Man hat verschiedene Leben, da man sich immer wieder in neue Rollen hineinversetzt. Das Publikum muss einem eben glauben, dass man in dem Moment auf der Bühne Belle oder das Biest ist“.

Die Schaffung eines Meisterwerks

Zwei Monate hat es gedauert, bis die komplette Choreografie erstellt und einstudiert war. Aber wie entsteht eine solche Choreografie überhaupt? Ein Choreograf hat einiges zu beachten, wenn er eine Geschichte in ein tänzerisches Stück adaptieren möchte. Um sie zu erzählen, bedienen sich die Tänzer nur ihrer Körpersprache und nicht ihrer Stimme. Das Wichtigste hierbei ist, dass das Publikum die Geschichte versteht. Bevor sich der Choreograf aber die tänzerischen Feinheiten überlegt, sucht er zunächst die Musik aus. Horatiu Cherches hat für „Die Schöne und das Biest“ Musikstücke des berühmten Komponisten Peter Tschaikowsky ausgewählt. „Das Härteste an der Erstellung einer Choreografie, ist die Phase bevor man ins Tanzstudio geht“, verrät Cherches. „Die Musikfindung ist dabei eine der schwersten Aufgaben. Sie muss sprechen, im Einklang mit den tänzerischen Bewegungen“.  Diese Phase kostete Cherches einen Monat. Wenn es dann ins Tanzstudio geht, um die tänzerischen Elemente und Feinheiten passend zur Musik zu bilden, braucht der Choreograf jemanden vor sich, dessen Leistung er begutachtet. Einen weiteren Monat dauerte es dann, bis alle Elemente des Balletts saßen und das Stück bühnenreif war.

Zurück im Parktheater, kurz vor Showbeginn.

20 Minuten vor dem großen Auftritt. Die letzten Feinheiten werden geprobt und dann heißt es schon: rein in die Kostüme und Spitzenschuhe an. Der Saal füllt sich und das Ballett beginnt pünktlich um 20:00 Uhr. Auf der Bühne sind die Tänzer nicht mehr sie selbst. Mizuki Kubota wird zur schönen Belle und Bogdan Bîrsănescu zu ihrem Vater Philippe. Ryan Brown ist jetzt das Biest und Cătălina Iliescu hat sich in eine wunderschöne Rose verwandelt, die ihm die Zeit vor Augen hält. Die Rollen wurden also glaubhaft verkörpert, was auch an der Reaktion des Publikums deutlich erkennbar war: es schenkte den Tänzern einen begeisterten und stehenden Applaus.

VERÖFFENTLICHT VON: MAERKZETTEL, Luisa Bialas, 2. Fachsemester (JOURNALISMUS UND UNTERNEHMENSKOMMUNIKATION B.A.)

Die Schöne und das Biest – Ballett meets Pop

ISERLOHN. Eine Tanzschule, viele Tanzarten und eine Aufführung. Die Tanz- und Gesangsschule „Ballett meets Pop“ brachte den Disney-Klassiker „Die Schöne und das Biest“ auf eine ganz besondere Weise auf die Bühne des Parktheaters.

Schwingende Tutus oder Cowboyhüte? Ballettschuhe oder Steppschuhe? Modern oder klassisch? Bei der Aufführung von „Die Schöne und das Biest“ am 30. November im Parktheater gab es kein „oder“, denn die Aufführung war eine bunte Mischung aus verschiedenen Tanzarten, die sowohl Tutu als auch Cowboyhüte und Steppschuhe zusammengebracht hat. Mit vertreten waren unter anderem der Jazz Dance, Irish Dance, Line Dance, Hip-Hop und natürlich Ballett. Ein schöner Mix, der erfrischend anders ist.

Das Disney-Märchen „Die Schöne und das Biest“ ist allseits bekannt. Die schöne Belle lebt mit ihrem Vater in einem Dorf, von dessen Einwohnern sie sich missverstanden fühlt. Dazu kommt der aufdringliche Gaston, der immer wieder neue Annäherungsversuche unternimmt. Belle hegt aber kein Interesse für ihn. Ihr Vater ist Erfinder und möchte seine neuste Erfindung auf einer Vorstellung vorführen. Als er von seiner Reise nicht zurückkommt, begibt sich Belle auf die Suche nach ihm. Dabei stößt sie auf ein verfluchtes Schloss: Der Schlossherr, ein Prinz, wurde von einer alten Frau wegen seiner Kaltherzigkeit in ein Biest verwandelt. Und auch seine Bediensteten blieben nicht verschont. Nur wenn der Prinz eine Frau findet, die ihn liebt, kann der Fluch aufgehoben werden. Eine Rose dient dabei als Zeitvorgabe – sind alle Blätter abgefallen, kann der Fluch nicht rückgängig gemacht werden. Belle findet im Schloss tatsächlich ihren Vater und tauscht ihr Leben für seine Freiheit. Sie ist also im Schloss gefangen und will zunächst nichts vom Biest wissen. Mit der Zeit erkennt Belle aber seine gute Seite und freundet sich mit ihm an, bis es zu tieferen Gefühlen kommt. Nachdem allerdings Gaston gefolgt von einer Meute im Schloss auftaucht, ersticht dieser das Biest, das vom Dach zu Tode stürzt. Während Belle das sterbende Biest in den Armen hält, gesteht sie ihm ihre Liebe, sodass der Fluch aufgehoben wird und der Prinz sowie alle Bedienstete zu ihrer normalen Gestalt zurückkehren.

Gelungene Umsetzung der Geschichte, aber mit kleinem Manko

Die Geschichte des Märchens wurde sowohl tänzerisch als auch szenisch und musikalisch sehr gut umgesetzt. Man konnte dem Stück gut folgen und wusste immer worum es in den Szenen gerade ging. Bei einer Adaptation eines Films, der Ton und Dialoge beinhaltet, in ein tänzerisches Stück, das sich „nur“ den Bewegungen des Körpers bedienen kann, ist es wichtig, dass die tänzerischen Elemente verstanden werden. Die Bewegungen und die Choreografie müssen hier die Geschichte erzählen. Das hat „Ballett meets Pop“ sehr gut umgesetzt. Vor allem die Darstellung der Rose ist sehr schön gelungen, sowohl das Kostüm als auch die choreografische Umsetzung. Anhand des Kostüms war es unverkennbar, dass es sich um die Blume der Zeit handelt. Durch das Fallenlassen von blütenartigen Gegenständen, wurde die Rolle noch deutlicher unterstrichen.

Was ebenfalls positiv hervorzuheben ist, sind die Gesangseinlagen der Gesangsschüler, die die Disney-Filmmusik zu den passenden Szenen performten. Es wurden nicht nur Lieder aus „Die Schöne und Das Biest“ gesungen, sondern u.a. auch aus „High School Musical“. Darunter waren viele gute Stimmen zu hören, die auch schwierige Liedpassagen mit Bravur meisterten.

Ein kleines Manko blieb allerdings nicht aus. Die Ballszene mit Belle‘s berühmt berüchtigten gelben Ballkleid kam erst zum Ende, während das Biest bereits wieder ein Prinz war. Das war schade, da diese Szene vermutlich eine absolute Lieblingsszene für viele Märchenfans darstellt. Trotzdem war sie bezüglich der Umsetzung schön gestaltet. Der Ball wurde tatkräftig von den kleinen Nachwuchstänzerinnen in strahlend gelben Tutus unterstützt – da ging einem gleich das Herz auf.

Von Klein bis Groß, von Ballett zu Hip-Hop

Bei der Aufführung konnte wirklich jeder sein Können zeigen. Ob junge Nachwuchstänzerin oder erfahrene Koryphäe – jedes Leistungsniveau wurde mit eingebunden. Die Mischung aus jung und alt, erfahren und unerfahren hat dem Stück einen besonderen Charme verliehen. Wenn die Kleinen mal ihren Einsatz verpassten oder zu spät von der Bühne gingen sorgte das für gute Stimmung im Publikum. An den tänzerischen Leistungen der Schlüsselpersonen im Stück, gibt es nichts auszusetzen. Die Spagatsprünge wurden schön ausgeführt, mit ausreichend Sprungkraft und durchweg geraden Beinen. Auch die Drehungen gingen elegant und mit viel Körperspannung von statten. Die anderen Tanzgruppen zeigten ebenfalls gute Leistungen. Dabei ist vor allem die Synchronität der Irish Dance Gruppe hervorzuheben, auch bereits bei den Kleinen. Ohne diese Synchronität würde das Steppgeräusche vermutlich furchtbar klingen. Das war hier aber nicht der Fall, was bei einer Gruppe von mindestens sechs Tänzerinnen bemerkenswert ist.

Nach der Aufführung kamen nochmal alle Tänzer und Sänger auf die Bühne, darunter auch die Menschen mit Behinderung, für die „Ballett meets Pop“ ebenfalls Tanzkurse anbietet.

Die Tänzerinnen verneigten sich zum Abschied und das Publikum verfiel in Standing Ovations. „Mir hat die Kombination der verschiedenen Tänze sehr gut gefallen. Von jedem wurden verschiedene Elemente mit eingebracht. Leider ist dabei die Geschichte etwas untergegangen. Trotzdem waren die Tanzeinlagen sehr gut gemacht und besonders die Gesangseinlagen sorgten für einen schönen Überraschungseffekt“, erzählt die Zuschauerin Nina Pohlmann. Auch für sie gab es also ein kleines Manko, das sich ebenfalls auf die Umsetzung der Geschichte des Disney-Märchens bezieht. Durch den Versuch, alle Tanzarten unterzubringen, ist die Story teilweise untergegangen. Da aber die Vielfalt des Tanzangebots ein wichtiges Merkmal der Tanzschule „Ballett meets Pop“ ist und dieses an erster Stelle im Vordergrund steht, kann man über die kleinen Mankos hinwegschauen, denn die Zusammen- und Ausführung der verschiedenen Tanzarten ist der Gruppe super gelungen.

VERÖFFENTLICHT VON: MAERKZETTEL, Luisa Bialas, 2. Fachsemester (JOURNALISMUS UND UNTERNEHMENSKOMMUNIKATION B.A.)