Das getanzte Dschungelbuch

ISERLOHN. Die Bühne des Iserlohner Parktheaters verwandelte sich an diesem Wochenende, den 2. und 3. Juni, in einen Dschungel, in dem das Kind Mogli mit vielen wilden Tieren tanzte. Die Ballett- und Tanzakademie Iserlohn und die Tanzschule der Rock & Pop Fabrik Letmathe haben ein zweistündiges Stück zum Dschungelbuch konzipiert und füllten damit für zwei Stunden Parkett und Balkon des Parktheaters.

Der Vorhang ist zu und wird mit grünem Licht angeleuchtet. Auf der linken Seite ist schon ein Teil des Bühnenbildes zu sehen: ein kleiner Teich. Zu hören ist die Stimme des schwarzen Panters Baghira. Er beschreibt den Dschungel als phantasievoll und spannend und eröffnet das Stück mit den Worten: „Das ist unser Dschungelbuch“. Dann geht der Vorhang auf.

Die Besucher des Parktheaters werden in die Welt der Tiere entführt. Es gibt Affen, Wölfe, bunte Vögel, Elefanten, Frösche, Zebras, Geier, Schlangen und natürlich den bösen Tiger Shir Khan, den Panter Baghira und Balu den Bären. Immer neue Tiergruppen betreten die Bühne und tanzen. Die einen Ballett, die anderen Hip Hop oder Pop. Insgesamt sind es etwa 350 junge Tänzer: Von Kindergartenkindern bis hin zu Jugendlichen ist alles dabei. Es sind fast nur weibliche Tänzer, in der Elefantengruppe sind allerdings auch viele Jungen dabei. Sie klatschen und trampeln im Rhythmus der instrumentalen Musik.

Tiere und ihre Tanzarten

Durch die verschiedenen Tänze hinweg, wird die Geschichte des Findelkindes Mogli erzählt, das bei einer Wolfsfamilie aufwächst. Doch als dann die Gefahr wegen des Tigers Shir Khan droht, will Baghira Mogli zu einer Menschensiedlung in Sicherheit bringen. Auf ihrem Weg begegnen sie allerlei Tieren und ihren Tanzarten. Da Mogli sich aber weigert den Dschungel zu verlassen, lässt Baghira ihn verärgert zurück und sagt: „Soll er doch sehen, wie er allein zurecht kommt. Mutterseelenallein.“ Das ist der Moment in dem Balu mit seinem Lied „Probier‘s mal mit Gemütlichkeit“ ins Spiel kommt.

Mogli wird von einem Mädchen gespielt. Gekleidet in roter Hose und einem beigem Oberteil. Sie brilliert mit ihrem Balletttanz. Ebenso gut sind die anderen Hauptrollen besetzt. Balu zeigt sich in niedlicher Tollpatschigkeit, die die Tänzerin gekonnt rüberbringt. Der Panter ist edel und elegant und die Tänzerin, die den Tiger spielt, zeigt sich frech und böse. Alle vier Mädchen tanzen sehr ausdrucksstark. Die älteren Kinder und Jugendlichen des Stücks sind wie Profis und zeigen, wie talentiert sie sind. Lediglich die Allerkleinsten vergessen mal ein paar Schritte oder geraten aus dem Takt. Aber allein, dass sie auf einer so großen Bühne vor so vielen Menschen stehen ist besonders. Zudem sind sie sehr niedlich.

Jan Zimmer schwingt im Affenkostüm wie Tarzan auf die Bühne

Nach einer Stunde, die wie im Fluge vergeht, fällt der Vorhang für die Pause. Als er sich 20 Minuten später wieder öffnet ist Mogli mittendrin im Trubel der Affenwelt. Es ertönt der Song „I like to move it“ und plötzlich schwingt Jan Zimmer, Besitzer der Tanzschule der Rock & Pop Fabrik, im Affenkostüm, wie Tarzan am Seil auf die Bühne, während Sebastian Gröhn – ebenfalls von der Rock & Pop Fabrik –, als zweiter Erwachsener im Affenkostüm mit einem Blatt fächert. Die beiden sorgen für erheitertes Lachen im Publikum und wirbeln Mogli über die Bühne. Als dann noch Balu im Hawaiibikini hinzukommt, ist der Spaß perfekt.

Nach mehr als zwei Stunden endet ein energiegeladenes Stück mit tollen Nachwuchstänzern, die es geschafft haben, in Kombination mit tollen Kostümen und einem kreativen Bühnenbild die Besucher im Parktheater Iserlohn mit in den Dschungel zu nehmen.

veröffentlicht von: Maerkzettel, Melina Seiler, 6. Fachsemester (Journalismus und Unternehmenskommunikation B.A.)

Billie Holiday: Die Frau mit mythischen Zügen

ISERLOHN. Erfolg. Absturz. Aufmerksamkeit. Gefängnis. Höhen. Tiefen. Drogen und ganz viel Musik. Das ist die musikalische Hommage an die Sängerin Billie Holiday von Torsten Fischer und Herbert Schäfer, die im Iserlohner Parktheater gastierte. Sie beleuchtet das kurze Leben der Jazz-Ikone (1915-1959).

„Sind heute Abend irgendwelche Nigger hier?“, ruft Schauspieler Nikolaus Okonkwo in die Menge. „Na? Ich weiß das, einer steht auf der Bühne, das bin ich!“, so beginnt Blue Moon im Parktheater Iserlohn. Sona MacDonald spielt die Jazz-Ikone Billie Holiday in dem Hommage-Stück an ebendiese Sängerin.

Nikolaus Okonkwo moderiert den Abend und schlüpft in multiple Rollen, die des Erzählers, die ihrer Liebhaber oder Misshandler. Er ruft weiter: „Ein Wort ist erst gefährlich, wenn es unterdrückt wird. Wenn jeder jeden Nigger nennt, hat das Wort irgendwann keine Bedeutung mehr.“ Von Anfang an ist klar, dieses Stück thematisiert Rassismus, denn damit hat Billie als Tochter eines Streuners und eines Hausmädchens ihr ganzes Leben lang zu kämpfen.

Doch zunächst wird ihre Brillanz als Sängerin gezeigt. Der Vorhang geht auf und zum Vorschein kommt die Bühne, die sich an diesem Abend in einen New Yorker Ballroom der 40er und 50er Jahre verwandelt. Billie, gehüllt in ein silbernes Glitzerkleid, musiziert mit ihrer Band bestehend aus Piano, Kontrabass, Schlagzeug, Klarinette und Saxophon. Sie spielen Jazz und Blues vom Feinsten. Schauspielerin Sona MacDonald singt die Songs von Billie Holiday und erweckt sie so auf ihre ganz eigene Art wieder zum Leben. Nikolaus Okonkwo beschreibt Billies unvergleichbaren Stil im Stück so: „Sie pumpt mit ihrem rechten Ellenbogen und tappt mit dem linken Fuß auf den Boden, als wolle sie etwas kaputt treten“. Und das tut sie und sieht dabei elegant aus, wie keine andere. Doch schnell wird dem Zuschauer auch die Schattenseite der schimmernden Welt der Ballrooms gezeigt. Billie trinkt viel Alkohol, raucht und zieht mal eben ein Tütchen Koks aus ihrem Schuh.

Hure, Junkie und Diva

Der Zuschauer sieht Billie in verschiedenen Kleidern und verschiedenen Verfassungen. Nikolaus Okonkwo als Erzähler beschreibt sie als eine Frau mit mythischen Zügen, deswegen passe Jazz so gut zu ihr, denn er sei eine Kunst des Ungenauen „da muss nicht alles schimmern“. Die Zuschauer im Parktheater erfahren, dass Billie mit zehn Jahren zum ersten Mal vergewaltigt wurde, dass sie als Zimmermädchen als Niggerin beschimpft wurde, daraufhin kündigte und dann Hure wurde: „Bordelle sind die einzigen Orte, wo Weiße und Schwarze sich fast gleich begegnen konnten“, erzählt sie, obwohl sie auch schon verhaftet, wurde, weil sie den Sex mit einem „fetten weißem Mann verweigerte“.

Die Schauspielerin singt Billies Lieder und erzählte ihre Liebesgeschichten, doch kreiert dabei ihre ganz eigene Billie Holiday. Sie probiert, die Künstlerin nicht zu kopieren. Ihre Stimme ist auch heiserer als die der Billie Holiday. Zudem interpretiert Sona MacDonald ihre Rolle sehr extrem, da hauptsächlich die Ausnahmesituationen der Sängerin gespielt werden. Doch gerade dieser extreme Ausdruck zeigt die Tragik: Billies hat im Alltag viel zu tun, denn sie steht auf und raucht Opium, gönnt sich einen Joint, spült Pillen mit Bier runter, setzt sich einen Schuss Heroin und gönnt sich dazu einen Scotch. Dennoch ist sie nie krank oder hat Probleme mit der Stimme. Doch dann folgt eine Anklage auf Drogenbesitz und Import. Billie gesteht ohne Anwalt und muss für ein Jahr und einen Tag ins Gefängnis gehen. Danach ist sie mittellos und hat Auftrittsverbot in allen New Yorker Clubs mit Alkoholausschank.

„Sie hat es geliebt zu leiden, weil sie nicht wusste, was Liebe ist.“

Irgendwann wird Billie von John Levy (Nikolaus Okonkwo) aufgegabelt, der ihr einen Job in seinem Club verschafft. Er kauft ihr Kleidung und eine voll eingerichtete Wohnung. Besorgt ihr ein Auto mit Chauffeur, jedoch kein Bargeld, denn das gehöre sich nicht für Frauen, findet er. John wird ihr Erster von drei Ehemännern. Doch auch ihre Männer, alle gespielt von Nikolaus Okonkwo, bringen ihr kein Glück. „Sie hat es geliebt zu leiden, weil sie nicht wusste, was Liebe ist“, sagt Okonko als Erzähler. Billie wird erneut heroinabhängig und lässt sich ins Krankenhaus einweisen. Dort wird ihr Blut mit Traubenzucker gereinigt, doch dann besorgt ihr eine Krankenschwester wieder Stoff. Ein Teufelskreis.

Doch das Stück Blue Moon, beleuchtet nicht nur Sucht, sondern auch zwei sehr unterschiedliche Seiten New Yorks. Billie stellt fest: „Im Harlem ist eine Nutte eine Nutte, ein Arschloch ein Arschloch und ein Schwuler und Schwuler. In Downtown eine Nutte eine Dame der Gesellschaft, ein Schwuler ein Playboy und Arschloch hatte eine schwere Beziehung hinter sich.“ Sie erzählt auch von ihren Demütigungen: „Ich darf keine Toiletten nutzen, weil ich schwarz bin, ich muss den Hintereingang nehmen, wenn ich in einem Club auftrete und im Hotel sagt man mir: ,Hier waren noch nie Schwarze´.“

Billie Holiday: Die Ausnahmekünstlerin

Billie Holiday selbst stirbt im Alter von 44 Jahren im Krankenhaus mit Geld an die Beine geklebt und umzingelt von Polizisten, die sie erneut wegen Drogen verhaften wollten. In ihren letzten Jahren musste man ihr von der Bühne helfen. Ihre Stimme versagte. Sie lallte und sprach mehr, als das sie sang. Schließlich vereinsamte sie.

Nach Billies Tod im Stück schreit Nikolaus Okonkwo: „Wo bleibt die Entschädigung für all den Dreck?“ und lässt die Zuschauer nachdenklich zurück. Nachdem der Vorhang gefallen ist, geht er aber nochmal auf und Sona MacDonald singt Holidays Song Blue Moon: So bleibt Billie Holiday auch nach ihrem Tod in Erinnerung, als die Ausnahmekünstlerin, die sie war. Dem Stück ist es gelungen, das zu zeigen und ebenso die tragischen, ungerechten Umstände ihre Zeit.

veröffentlicht von: Maerkzettel, Melina Seiler, 6. Fachsemester (Journalismus und Unternehmenskommunikation B.A.)

DELIA-Liebesromantage: Und der Gewinner ist …

Wie in jedem Jahr standen auch 2018 die DELIA-Liebesromantage in Iserlohn auf dem Programm. Unter dem Motto „Wir machen Liebe“ haben sie diesen Samstag ihren Höhepunkt gefunden – mit der Preisverleihung für den besten deutschsprachigen Liebesroman und Jugendliebesroman. Zehn Autoren haben sich bei über 200 eingereichten Büchern behaupten können und es auf die Shortlist geschafft – eine Liste mit den Romanen, die in die engere Auswahl gekommen sind.

Das Parktheater Iserlohn verwandelt sich an diesem Abend in einen Galaort, umgeben von guter Stimmung, festlicher Dekoration und feierlicher Musik. Um 18 Uhr beginnt der Sektempfang für die Finalisten und deren Begleitungen, unter ihnen befindet sich auch Robin Lyall. Die Autorin kommt aus der Nähe von Hannover und ist für den besten Jugendliebesroman nominiert.

Ihr Roman handelt von einem jungen Mädchen, welches auf einer Tierauffangstation in Afrika hilft. Ihr vierter Roman beruht auf Tatsachen, da Robin Lyall selber auf einer Tierauffangstation in Afrika gearbeitet hat. Die Eindrücke haben sie auf die Idee gebracht, über die Erfahrungen, die sie gesammelt hat, einen Roman zu schreiben. „Es wäre mein erster Preis und ich bin sehr aufgeregt und nervös. Meine Chancen zu gewinnen liegen bei 20 Prozent, da insgesamt fünf Autoren in der Kategorie nominiert sind“, lacht die Autorin. „Ich plane weitere Romane, es ist einiges in Arbeit und ich habe viele Ideen, über die ich natürlich noch nicht reden darf“, erzählt sie. Wenig später begrüßt Andrea Reichart, die Präsidentin von DELIA, ganz offiziell alle Finalisten zum Sektempfang. „Lernt euch kennen, genießt die Musik und das Buffett“, sagt Reichart und eröffnet den Abend.

Um 20 Uhr findet dann der Höhepunkt des Abends statt – die Preisverleihung. Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens begrüßt im Namen der Stadt Iserlohn alle Gäste und Finalisten. Er ist glücklich darüber, dass die Liebesromantage zum vierten Mal in Iserlohn stattfinden. „Dieser Abend ist eine Herzensangelegenheit“, sagt Ahrens. „Liebe ist das größte menschliche Gefühl und daraus entstehen die größten Romane und Geschichten.“ Daraufhin lobt er Andrea Reichart, übergibt ihr einen Blumenstrauß und die Bühne. Kurz danach beginnt auch Andrea Reichart ihre Moderation. Sie erzählt von der Entwicklung von DELIA und verkündet stolz, dass aus anfangs zwölf DELIA- Mitgliedern über 250 geworden sind. Sie sagt, dass Liebe eine große Vielfalt ist und mehr als nur die Beziehung zwischen Mann und Frau. „Liebe ist wunderbar, denn nicht nur man selbst ist glücklich, sondern macht auch andere glücklich.“ Außerdem erzählt sie, dass die Stunden, die sie mit einem guten Buch verbringt, ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens sind.

Des Weiteren lobt sie die Finalisten und lässt sie wissen, dass für die Shortlist nominiert worden zu sein, schon ein großer Erfolg ist – „Das alle macht euch zu Gewinnern.“ Kurz darauf fragt sie in das Publikum: „Wie viele Bücher lesen wir im Jahr? 10? 20?“  Das ist ganz schön wenig in Anbetracht dessen, dass die DELIA-Jury, welche die Gewinner aussucht, von Mai 2017 bis Valentinstag 2018 über 100 eingereichte Bücher lesen musste.

Doch wer hat nun den Preis für den besten Jugendroman des Vorjahres gewonnen? – Es ist Kira Gembri aus Wien mit ihrem Roman „Wovon du träumst’’. Als sie den Preis entgegennimmt ist sie sichtlich gerührt, sagt, dass sie sprachlos ist und damit nicht gerechnet hat. „Der Titel des Buchs passt zu dem, was gerade passiert“, sagt Gembri. Den Preis für den besten Liebesroman aus der zweiten Kategorie durfte Nora Elias entgegennehmen.

So endet ein bunter Abend mit vielen Emotionen, interessanten Persönlichkeiten und natürlich ganz viel Liebe.

veröffentlicht von: Maerkzettel, Anastasia Baranova, 1. Fachsemester (Journalismus und Unternehmenskommunikation B.A.)

Von vier Männern und ihren gelben Öltonnen

Ob herkömmliche Aluminiumleitern, leere, gelbe Ölfässer, Plastikeimer oder PVC-Rohre: Die vier Schlagzeuger von „Power!Percussion“ beschränken ihr Rhythmusgefühl nicht auf gewöhnliche Trommeln, sondern überraschen ihr Publikum mit vielen kreativen Ideen.

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